Hallo Kornblume,
> Ich meine auch, dass gerade Nahrungspräferenzen individuell
> unterschiedlich sein können.
> Was gut für den einen ist, kann bei einem anderen Menschen
> Probleme bereiten. Das gilt meiner Meinung gerade für Rohkost.
Nährungspräferenzen - also die Vorliebe für eine bestimmte Nahrung - können natürlich unterschiedlich sein, da hast du Recht. Aber das Verdauungssystem und der Stoffwechsel sind bei allen Menschen gleich und damit auch die Anforderungen an eine gesunde Ernährung. Natürlich gibt es Unterschiede in der momentanen Verträglichkeit einer Nahrung. Jemand, der bisher Fabrikzucker gegessen hat, bekommt durch eine faserreiche Ernährung Probleme, auch wenn diese gesünder wäre. Jemand, der eine starke Abneigung gegen Körner hat, bekommt beim Verzehr von Körnern ebenfalls Probleme, weil sein vegetatives System entsprechend reagiert. Jemand, dessen Verdauungssystem durch bspw. Medikament gestört ist, bekommt Probleme bei einer Ernährungsumstellung. Die Ursache solcher Beschwerden liegen aber nicht in der anderen Nahrung, sondern eben in der Vorgeschichte bzw. der jeweiligen Situation.
> Wir scheinen uns ja in einigen Punkten einig zu sein, aber gerade da
> scheiden sich unsere Meinungen - so wie sie wohl auch bei anderen
> zu kontroversen Diskussionen führen.
Das macht ja nichts. Kontroverse Meinungen sind das Salz an der Suppe - es wäre doch sonst langweilig...
> Da aber gerade bei der Ernährung Studien nur schwer durchzuführen sind
> und dann auch fraglich ist, wie valide und glaubwürdig das Ganze ist
> aufgrund der vielen Faktoren, bleibt es letzendlich nur eine persönliche
> Meinung.
Ich gebe dir absolut Recht, daß Studien immer problematisch sind. Im Grunde kann man damit auch nichts belegen, sondern bestenfalls Trends aufzeigen. Es gibt aber einen Aspekt, den du nicht erwähnt hast: Die Erfahrung.
Dr. Bruker hat über 50.000 Patienten behandelt und seine Erfahrungen haben gezeigt, daß jeder eine Vollwerternährung verträgt und davon profitiert und daß die Frischkost die ideale Heilkonst ist (was vor ihm schon Bircher Benner entdeckt hat) - er hat aber auch deutlich auf das Unverträglichkeitsproblem hingewiesen. Ich habe mittlerweile auch zehn Jahre praktische Erfahrung und kann das bisher nur bestätigen. Das soll nun keineswegs heißen, daß deine Probleme Einbildung sind, ich möchte damit nur sagen, daß das, was Bruker erzählt (und ich wiedergebe) eine solide Basis hat - sowohl medizinisch als auch aus der Erfahrung - und keine kurzlebige Theorie ist. Wenn Probleme bestehen, dann muß man deren Ursachen finden und abstellen, aber die Erfahrung zeigte bisher einfach, daß die Ursachen der Probleme nicht die Vollwerternährung sind, sondern in anderen Lebensumständen liegen. Bei empfindlichen Personen gibt es ja eine ganze Reihe Störenfriede, die eine vollwertige Ernährung unverträglich machen können.
> Ich denke zusätzlich fließt die nicht änderbare Konstitution eines
> Menschen und auch die Art der Zubereitung der Nahrung ein.
Die Konstitution ist durchaus änderbar, sonst gäbe es keine ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten. Es dauert nur leider wesentlich länger die angerichteten Schäden wieder aus der Konstitution zu entfernen als sie hineinzubekommen. Pottenger hat festgestellt, daß das etwa doppelt so lange dauert - wir müßten uns also rund 250 Jahre gesund ernähren, bevor die ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten wieder verschwunden sind.
> Vollkorn kann bei einigen Menschen daher sehr wohl zu Problemen führen.
In jeder jeweiligen spezifischen Situation schon und jeder, der sich bisher zivilisatorisch ernährt hat, wird bei der Umstellung auf Vollwerternährung zunächst Probleme haben - einfach, weil das Verdauungssystem an zivilisatorische Ernährung gewohnt ist und mit einer faserreichen Ernährnung erst einmal nicht zurechtkommt. Es dauert 6-8 Wochen, bis sich die Darmflora entsprechend angepaßt hat.
> Vielleicht hilft schon der Wechsel von "Vollkornbrot" aus Industriefertigung
> hin zu Vollkornbrot nach traditionellen Verfahren oder feingeschrotetes Brot
> oder eben der Verzicht auf Zucker zusammen mit Vollkorn.
Das sind in der Tat wichtige Punkte. Es gibt über 1000 zugelassene Hilfsstoffe in der industriellen Brotherstellung und die wenigsten davon müssen deklariert werden. Reaktionen sind hier durchaus möglich. Und Fabrikzucker macht Vollkorn bei sehr vielen Menschen unverträglich. Zum Fabrikzucker gehört ja nicht nur der normale Haushaltszucker, sondern alle fabrikatorisch hergestellten Zucker, also auch Ahornsirup, Dicksäfte, Ursüße, Melasse, Rapadura, usw. Selbst Trockenfrüchte und Säfte können zu Unverträglichkeitsreaktionen führen.
> Dass die heutige Nahrung den Körper überlistet oder zu überlisten
> versucht, ist natürlich auch ein Problem.
Die Fabriknahrung mit ihren Zusätzen ist da wirklich sehr raffiniert gemacht. Die Bücher von Hans-Ulrich Grimm sind in diesem Zusammenhang sehr lesenswert.
> Genauso wie auch pauschale Ernährungsvorschriften, wie z.B. die
> Ernährungspyramide zu Verwirrung führen kann.
Ernährungspyramiden sind generell ziemlich unbrauchbar. Sie spiegeln im Grunde lediglich die Interessen der Lobbyverbände wider, die an der Entstehung beteiligt waren. Deshalb gibt es auch so viele davon. Wer sich für die Entstehung interessiert, dem sei der Film "Der Diätkrieg" empfohlen. Er zeigt sehr viel über diese Hintergründe.
> Viele Menschen haben es daher verlernt, auf ihren Körper zu hören.
Stimmt, das kann ich nur bestätigen. Das liegt aber auch daran, weil die Verbindung zwischen Körper und Mensch duch Aromen, Geschmacksverstärker usw. praktisch zugekleistert ist.
> Selbst wenn das Wissen da ist, merke ich aber auch an mir selbst, dass
> ich manchmal zu faul bin oder es ist nur mit viel Aufwand möglich, genau
> das zu essen, was gerade gut für mich wäre. Nicht immer habe ich die
> Zeit zum Kochen oder habe die Nahrung zur Verfügung, die ich mir wünsche.
Das geht mir ganz genauso. Aufgrund meiner Vorgeschichte merke ich die Folgen aber sehr schnell, weil manche Beschwerden dann wieder auftreten. Und ich kenne keinen - mich eingeschlossen - der sich immer optimal ernährt. Das ist gerade in einer Welt, die zu 99% auf Zivilisationskost ausgerichtet ist, praktisch nahezu unmöglich.
> Wenn, wie bei mir, die Verdauungsschwäche sozusagen vererbt wurde,
> ist es schwierig, diese zu beseitigen.
Die Verdauungssschwäche ist ja nicht genetisch bedingt, sondern Teil der Konstitution. Auch wenn sie besteht, sollte eine gesündere Nahrung mittelfristig zu einer Verbesserung der Situation führen. Es sei denn, die Ursachen liegen nicht im Bereich der Ernährung, sondern im Bereich der Schadstoffe oder Lebensbedingungen.
> Und die klassische Medizin hat bisher auch noch nicht herausgefunden,
> wie sich eine funktionelle Störung beheben lässt.
Wie bei jeder Krankheit - durch konsequentes Abstellen der Krankheitsursachen. Aber - wie Pottenger ja herausfand: Es dauert doppelt so lange die Schwächen wieder aus der Konstitution herauszubringen.
> Aber die Vermeidungsstrategie ist eine mögliche Methode, mit
> dem Problem umzugehen, solange die Ursache nicht beseitigt
> werden kann.
Das ist nur dann problematisch, wenn die Vermeidung dazu führt, daß die Krankheit sich verschlimmert, wie das bei Allergien der Fall ist. Zwar verschwinden kurzzeitig die Beschwerden, aber gerade durch das Meiden der eigentlich nötigen frischen Lebensmittel verstärkt sich die Krankheit immer weiter, bis die Situation so verfahren ist, daß eine Rückkehr zu einem gesunden Zustand nicht mehr möglich ist. Ich kenne leider einige solcher Fälle, sie sind mittlerweile bei Astronautenkost.
> So wie manche Menschen schneller frieren oder schwitzen arbeitet
> die Verdauung bei Menschen auch individuell unterschiedlich.
Die Funktionsweise der Verdauung ist bei allen Menschen gleich, aber natürlich können Störungen vorliegen. Die Lösung sollte dann aber darin liegen, die Ursachen dieser Störungen abzustellen und nicht die Beschwerden zu lindern.
> Genauso wie es für bestimmte Krankheiten wie Rheuma oder ADS
> die richtige Auswahl an Nahrung die Symptomatik positiv beeinflussen
> lassen. Und die ist eben jeweils individuell unterschiedlich.
Das kann ich aus meiner Erfahrung nicht bestätigen. Die Menschen haben zwar unterschiedliche Ideen, warum das eine oder andere gemieden oder verzehrt werden sollte, aber in Summe läuft es immer auf die gleichen Aspekte hinaus: Fabrikzucker, Auszugsmehle, Fabrikfette, zuwenig Frischkost - oft einfach nur hinter 'Ich muß Omega-3-Fettsäuren zu mir nehmen, damit es besser wird' oder ähnlichen Aussagen.
> Phytin schein ja generell ein umstrittener Stoff zu sein.
Eigentlich nicht, aber es gibt leider Leute, die gezielt mit FUD Kampagnen arbeiten, um die Menschen zu verunsichern. Seit rund 30.000 Jahren wird Kulturgetreide samt Phytin verzehrt aber erst seit rund 100 Jahren gibt es ernährungsbedingte Zivilisationskrankheiten. Das Phytin kann also kein Problem sein.
> Ein paar kleinere Fehler habe ich ja bereits eingebaut, z.B.
Das macht doch nichts. Wer wären wir denn, wenn wir alles wüßten und immer alles richtig machen würden...
> Aber das ändert an dem Inhalt der Diskussion nichts
Richtig.