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Vollwerternährung

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Alt 04.02.2007, 18:33   Unverträglichkeit von Vollkornprodukten Beitrag #19
diomira
still.breathing
 
Registriert seit: 09.2005
Beiträge: 470
AW: Unverträglichkeit von Vollkornprodukten

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Es ist wirklich immer wieder interessant, was es für unterschiedliche Ansichten gibt.

Dass die Ernährung, die der vor tausenden von Jahren am ähnlichsten ist, am besten ist erscheint mir immerhin am logischten.
Und Zucker und Zusatzstoffe gehörten da eben nicht dazu.
Leider schaffe ich es meist nicht, dies vollkommen zu trennen. Falls es das überhaupt ist, denn darüber bin ich mir nicht sicher...
Das einzige, was ich beobachten konnte, ist dass es erst Abends schlimmer wird.
Aber da es eben auch etwas braucht, bis die Nahrung im Darm angekommen ist, heißt das wohl gar nichts.
Weiter bin ich in dem Punkt also immer noch nicht, weshalb ich doch noch mal zum Arzt will. Bestimmte Nahrungsmittelunverträglichkeiten können schließlich festgestellt werden und vielleicht bringt das ja noch was.

Allerdings muss ich sagen, dass das was kornblume schreibt wohl auch auf mich zutreffen könnte. Mein Darm erscheint mir einfach extrem anfällig und auch langsam, was die Verdauung betrifft...
diomira ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.02.2007, 21:17   Unverträglichkeit von Vollkornprodukten Beitrag #20
Joachim
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 02.2007
Beiträge: 115
AW: @ Joachim

Hallo Trulla,

> wie ich lese, kennst du dich sehr gut mit Vollwerternährung aus -
> alle Achtung!

Danke für die Blumen. Das gehört zum Job.. Du kennst dich aber auch sehr gut aus, nach dem, was ich bisher so gelesen habe. Man merkt, daß du mit voller Motivation dabei bist.
Joachim ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.02.2007, 00:29   Unverträglichkeit von Vollkornprodukten Beitrag #21
Kornblume*
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 06.2005
Ort: NRW
Beiträge: 575
AW: Unverträglichkeit von Vollkornprodukten

Hallo Elenath,

Zitat:
Welche Gewürze fördern denn die Verdauung?
Da gibt es eine ganze Reihe an Gewürzen, eigentlich fast alle.

Ich selbst mache mir oft einen Gewürztee aus Ingwer, Fenchel, Anis, Nelken, Zimt, Süßholz, Cardamom und Koriander. Den finde ich ganz lecker und er stärkt die Verdauung oder wirken entzündungshemmend.

Aber auch andere Gewürze sind gut, Senf hilft bei der Fettverdauung,
Kümmel, Kreuzkümmel bei Kohl und Hülsenfrüchte und
Asafoetida (Teufelsdreck, Asant) bei Hülsenfrüchte (gegen Blähungen).

Zimt hilft bei Blähungen und Durchfall, Koriander ist antibakteriellund hilft bei Koliken, Safran wirkt beruhigend, Gelbwurzel wird bei Leberbeschwerden und als Verdauungsmittel eingesetzt, Nelke ist antiseptisch und hilft bei Verdauungsstörungen, ...

Meist berücksichtigen traditionelle Rezepte eh genau die positiven Kombinationen, wie Senf zu Wurst, Kümmel zu Kohl, ...

Genauso können Kräuter unterstützend wirken, wie Basilikum, Rosmarin oder Salbei die Verdauung stärkt oder den Magen beruhigt.

Bittere Stoffe wie Chiccoree oder in Angelikawurzel regen den Gallenfluss an.

Im Zweifelsfall muss man einfach selbst ausprobieren, was man mag und was einem gut tut. Ich hoffe, das ist für den Anfang genug an Information.

Viele Grüße, Kornblume
Kornblume* ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.02.2007, 15:17   Unverträglichkeit von Vollkornprodukten Beitrag #22
Kornblume*
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 06.2005
Ort: NRW
Beiträge: 575
AW: Unverträglichkeit von Vollkornprodukten

Jetzt möchte ich auch noch meine Meinung zu den anderen Beiträgen sagen.
Ich bin definitiv keine Verfächterin der Industrienahrung, aber ich finde es auch nicht richtig, dass nur das eine oder das andere als richtig gilt. Was einem Menschen gut bekommt kann letztendlich nur er oder sie selbst feststellen und niemand anderes.

Menschen, denen eher warm ist, die ggf. unter Neurodermitis oder Heuschnupfen leiden, bei denen der Körper also "zu viel" macht, kann Rohkost positiv unterstützen.
Menschen, die schnell frieren oder eine geschwächte Verdauung haben, kann Rohkost mitunter Probleme bereiten (Haushaltszucker sollte dann jedoch ebenso vermieden werden).

Aber an sich kann das nur jede Person für sich selbst herausfinden, was ihr gut tut.

@Joachim:

Zitat:
Was genau wäre denn eine Schwächung des Magens?
Wie sich das bei mir äußert, wenn ich Rohkost esse: ich muss mich ganz einfach übergeben, bekomme Magenschmerzen, oder ein Völlegefühl. Oft erst Stunden später. Und das habe ich auch, wenn ich auf Dinge wie Zucker oder Industrienahrung vollständig verzichte. Meine Verdauung arbeitet generell langsamer als bei anderen und so können Lebensmittel mitunter 6-8 Stunden im Magen liegen und auch anfangen, zu gären. Abends ist es daher meist besonders schlimm. Probleme mit dem Magen habe ich aber schon seit ich denken kann. Dabei wurde bei uns früher schon sehr gesund (vollwertig) gekocht ohne Fertigprodukte und aus teilweise eigenem Ökologischen Anbau. Fertigprodukte kann ich aber auch nicht essen, das verschlimmert die Symptomatik deutlich.

Zitat:
> und Rohkost braucht nun einmal länger zum Verdauen.
Das ist so nicht richtig. Wie lange etwas zum Verdauen benötigt, hängt davon ab, ob der Organismus alle für den korrekten Ablauf der Verdauung nötigen Stoffe zu Verfüfung hat. Und das ist bei Frischkost eher gegeben. Die Verweildauer im Magen hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, in erster Linie vom Glukosegehalt der Nahrung. Frischkost wird tatsächlich schneller verdaut als erhitzte Nahrung.
Gibt es dazu Studien oder Belege? Würde mich mal interessieren.
Ich kenne nur eine Studie, die in eine etwas andere Richtung geht.
Kalte Nahrung verweilt deutlich länger im Magen als bereits erwärmte.
Die Enzyme, die zur Aufspaltung der Nahrung notwendig sind, arbeiten bei Körpertemperatur effizienter. Die genaue Quelle weiss ich leider nicht auswendig. Das hat aber natürlich nur indirekt damit zu tun, ob eine Nahrung roh oder vorverarbeitet (geraspelt, gekocht, fermentiert etc.) ist
Die Enzyme zur Aufspaltung der Nahrung werden hauptsächlich aus Leber und Bauchspeicheldrüse bereitgestellt. Zusätzlich können Enzyme aus der Nahrung diesen Vorgang unterstützen. Korrekt ist, dass in Rohkost mehr Enzyme vorhanden sind, aber im Gegensatz dazu benötigen bereits vorverarbeitete Lebensmittel oft weniger Enzyme oder werden dadurch erst verträglich.

Zum Beispiel bauen Milchsäurebakterien (z.B. im Sauerteig) das im Roggen enthaltene Phytin, das ein natürlicher Abwehrstoff des Getreides darstellt ab, das zu Verdauungsproblemen führen kann. Und meiner Meinung wird daher auch der Frischkornbrei eine Weile ruhen gelassen und nicht sofort nach dem Mahlen gegessen - denn nach der Theorie je frischer und unbehandelter desto besser - wäre das doch eigentlich viel besser.

Was ich auch nicht verstehe, warum die Verdauungszeit hauptsächlich von der Glukose abhängt? Sie wird doch am schnellsten verarbeitet. Viel länger verweilen Ballaststoffe, Eiweiße und Fette im Magen - und das ist individuell unterschiedlich, aber bis zu 5 Stunden sind durchaus normal.
Sind Ballaststoffe jedoch erst einmal im Darm, so werden sie möglichst schnell wieder ausgeschieden, um darin enthaltene mögliche Gifte schnell wieder loszuwerden oder um Gärung zu vermeiden. Daher sind sie gut, um Verstopfungen entgegenzuwirken.

Zitat:
> seit Jahrtausenden hochgezüchtet wurden. Wer isst schon freiwillig
> wilde Möhren.
Eine Menge Leute. Die lilane "Urmöhre" kommt gerade wieder auf den Markt.
Wenn mit der "lianen Urmöhre" die BetaSweet oder auch Purple Haze gemeint ist, das ist eine Neuzüchtung aus den USA, die seit 2003 Jahren auch bei uns auf dem Markt ist. Die Wilde Möhre ist laut http://flora.nhm-wien.ac.at :
"Wurzel dünn-spindelförmig, hart, zäh, scharf schmeckend, nicht genießbar"
Diese Möhre habe ich auch noch nirgendwo zu kaufen gesehen.

[quote]Kartoffeln kann man übrigens auch roh essen, das schmeckt nur nicht besonders. [quote]
Das habe ich als Kind gerne getan - aber immer nur wenig, weil ich sonst Bauchweh bekommen hätte. Was da dran ist, weiss ich nicht. Zumindest sind die Alkaloide (Solanin) in der Kartoffel unverträglich, die in unseren hochgezüchteten Sorten kaum noch enthalten sind.
Die Ur-Kartoffel wird daher von der Ur-Bevölkerung in Südamerika aufwendig verarbeitet bevor sie gegessen wird: gefrostet, verstampft, gelaugt, mit Ton vermischt, etc.

Zitat:
Natürlich können auch rohe Körner verdaut werden, wenn man sie gründlich kaut. Das Einweichen des Getreides dient nicht der 'aufspaltung', sondern ist ein Tribut an den desolaten Gebißzustand der Bevölkerung.
Ich dachte, gerade in unserer neuen Zeit, wo wir mit Zahnärzten gut versorgt sind, sollte das Kauen selbst kein Problem sein. Dass viele ihr Essen schlingen und somit der Speichel die Nahrung nicht richtig vorverdauen kann, ist wohl eher ein Problem. Dennoch sind in der Randschicht auch Gifte, die die Pflanze zur natürlichen Abwehr gegen Fressfeinde einsetzt. Und diese können gerade bei empfindlichen Menschen Probleme machen, wenn sie nicht durch eine richtige Behandlung vorverarbeitet werden.

Ich finde es aber ebenfalls schlimm, dass der Chemie-Cocktail, der heutzutage oft verhauft wird, überhaupt noch Brot genannt werden darf. Ich denke, die vielen Zusatzstoffe tragen definitiv nicht zur Bekömmlichkeit bei. Dennoch denke ich, dass einige traditionelle Verfahren, wie z.B. das lange Gehen lassen von Roggenbrot definitiv seinen Sinn hat. Wozu würden Menschen denn sonst ein so aufwendiges Verfahren anstellen wie die traditionelle Sauerteigzubereitung, wenn sie es viel schneller und einfacher haben könnten und es einfach roh essen könnten? Es hat den Sinn, das Getreide bekömmlicher zu machen.

Weizen und Gerste kann leider nicht einfach durch Sauern bekömmlicher gemacht werden. Daher werden sie anders behandelt, durch Fermentation (Bierproduktion oder Hefeteig), Keimung, Vermischung mit besonders viel Fett im Getreidebrei (wie vor tausend Jahren üblich laut Funde), ...
Dinkel ist daher besonders zu empfehlen, weil die Spelze besonders fest sind und die Körner selbst daher weniger Abwehrstoffe enthält.

Es gibt Aufzeichnungen von Hippokrates (460-375 v. Chr.) der lehrte, dass Vollkornbrot den Darm reinigt, Weissbrot dagegen nährt. (Brothwell: Manna und Hirse. Eine Kulturgeschichte der Ernährung. Mainz 1984). Kleie konnte vermutlich auch damals schon zu großen Teilen aussortiert werden, was recht einfach ist, es ist leichter und beim Schütteln lagert es sich oben ab (zumindest, wenn ich frisch gemahlenes Mehl verwende).

Ich will jetzt kein Votum für Weissbrot machen, denn heutzutage haben wir durch den Einsatz von Hefe etc. andere Methoden gefunden, Getreide zu verarbeiten. Aber gerade Weizenkleie oder andere rohe Getreideprodukte können bei empfindlichen Menschen Störungen verursachen und Probleme bereiten.
Daher finde ich es viel wichtiger, auf seinen eigenen Körper zu hören, auch wenn das durch die breite Auswahl an Produkten und die vielen Zusatzstoffe in der Nahrung immer schwieriger wird. Aber der Trend zu Bio und zu reinen Produkten ohne Zusatzstoffe scheint gerade zu bestätigen, dass die Menschen wieder vorsichtiger geworden sind, mit dem was sie sich zumuten.

Dieser Beitrag ist jetzt etwas länger geworden - aber da ich selbst Erklärungen brauche um Dinge zu verstehen, wollte ich nicht einfach Dinge in den Raum werfen (man verzeiht mir meine naturwissenschaftliche Ader ).
Kornblume* ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.02.2007, 01:02   Unverträglichkeit von Vollkornprodukten Beitrag #23
Joachim
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Registriert seit: 02.2007
Beiträge: 115
AW: Unverträglichkeit von Vollkornprodukten

Hallo Kornblume,

> Was einem Menschen gut bekommt kann letztendlich nur er oder
> sie selbst feststellen und niemand anderes.

Das ist schon richtig, allerdings spielt uns dabei unser Organismus einen Streich, denn der paßt sich leider auch an schlechte Ernährung an. Die macht dann zwar auf Dauer krank, aber vertragen wird sie erstmal ausgezeichnet. Das führt dann zu der absurden Situation, daß eine Ernährung, die eigentlich zur Krankheitsprävention nötig wäre, nicht durchgeführt wird, weil sie dem Menschen aufgrund seiner 'Prägung' auf Zivilisationskost erst einmal nicht bekommt. Wie viele behaupten, daß ihnen Vollkorn nicht bekommt? Daß sie es nicht vertragen? Solche Aussagen sind aber prinzipiell eigentlich falsch und müßten korrekterweise lauten: "Ich vertrage im Rahmen meiner derzeitigen Kostform keine Vollkornprodukte". Wir kennen ja alle die Unverträglichkeitsreaktion zwischen Fabrikzucker und Vollkornprodukten.

> Menschen, die schnell frieren oder eine geschwächte Verdauung haben,
> kann Rohkost mitunter Probleme bereiten (Haushaltszucker sollte dann
> jedoch ebenso vermieden werden).

Wenn bestimmte Teilprozesse der Verdauung nicht optimal funktionieren - also funktionelle Störungen vorliegen - so haben diese Störungen Ursachen, die man finden und beseitigen kann. Die Frischkost selbst ist aber nicht Ursache solcher Unverträglichkeiten.

> Wie sich das bei mir äußert, wenn ich Rohkost esse: ich muss mich ganz
> einfach übergeben, bekomme Magenschmerzen, oder ein Völlegefühl.

Das ist ein interessanter Effekt, den ich bisher so noch nicht erlebt habe. Ich kann es aber auch nicht beurteilen oder bewerten, da ich die näheren Umstände nicht kenne und auch kein Arzt bin.

> Meine Verdauung arbeitet generell langsamer als bei anderen und so
> können Lebensmittel mitunter 6-8 Stunden im Magen liegen und auch
> anfangen, zu gären.

Normalerweise gärt im Magen nichts, denn das Milieu dort ist ziemlich unfreundlich für Mikroorganismen. Da müßte schon einiges schiefgehen, bevor es im Magen zu einer Gärung kommen kann, bspw. durch eine massive Störung der Magensaftsekretion.

> Probleme mit dem Magen habe ich aber schon seit ich denken kann.
> Dabei wurde bei uns früher schon sehr gesund (vollwertig) gekocht
> ohne Fertigprodukte und aus teilweise eigenem Ökologischen Anbau.

Magenprobleme sind eher selten ernährungsbedingt, die Ursachen liegen meist im lebensbedingten Bereich. In diesen Bereich gehören auch Magenentleerungsstörungen, denn die Magenentleerung wird über den Nervus Vagus gesteuert.

> Gibt es dazu Studien oder Belege? Würde mich mal interessieren.

Mir ist leider keine bekannt, aber es wird sicherlich etliche geben. Die Wirkung der Glukose (bzw. generell der Kohlenhydrate) auf die Magenentleerung ist aber nichts neues, das findet sich bspw. in "Ernährung des Menschen" von Elmadfa/Leitzmann, 3. Auflage, p.39

> Korrekt ist, dass in Rohkost mehr Enzyme vorhanden sind, aber im
> Gegensatz dazu benötigen bereits vorverarbeitete Lebensmittel oft
> weniger Enzyme oder werden dadurch erst verträglich.

Mir ist nicht bekannt, was das belegen würde. Warum auch sollte vorverarbeitete Nahrung weniger Enzyme benötigen - die Nährstoffe sind ja identisch.

> Zum Beispiel bauen Milchsäurebakterien (z.B. im Sauerteig) das
> im Roggen enthaltene Phytin, das ein natürlicher Abwehrstoff
> des Getreides darstellt ab, das zu Verdauungsproblemen führen kann.

Phytin führt nicht zu Verdauungsproblemen, das gehört in die Pollmersche Märchenstunde. Die Effekte, die da gerne zitiert werden, wurden in Versuchen an Ratten mit stark überhöhten Dosierungen isolierter Phytine beobachtet. Es mag sein, daß diese Stoffe Abwehrstoffe der Pflanzen sind, aber im menschlichen Organismus wirken sie völlig anders. Ein Beispiel sind die auch immer gerne als Argument gegen die Vollkornprodukte angeführten Lektine, bei denen sich nach und nach herausstellt, daß sie offenbar sogar gesundheitsfördernde Eigenschaften haben.

Phytin wird durch die Phytase abgebaut, die das Getreidekorn ebenfalls mitbringt.

> Und meiner Meinung wird daher auch der Frischkornbrei eine Weile
> ruhen gelassen und nicht sofort nach dem Mahlen gegessen - denn
> nach der Theorie je frischer und unbehandelter desto besser - wäre
> das doch eigentlich viel besser.

"Das Einweichen des Getreides ist aus ernährungsphysiologischen Gründen nicht notwendig. Der Hauptgrund für die Empfehlung, das Getreide einzuweichen, liegt im Gebißzustand. [...] Wenn jemand ein gutes Gebiß hat und somit gut kauen kann, komme er auch mit geringerer oder keiner Einweichzeit zurecht. Grundsätzlich aber ist die Einweichzeit unwichtig." (Bruker)

> Was ich auch nicht verstehe, warum die Verdauungszeit hauptsächlich
> von der Glukose abhängt? Sie wird doch am schnellsten verarbeitet.

Genau das ist das Problem. Der Organismus hat im Dünndarm nur begrenzte Fähigkeiten die Kohlenhydrate zu verdauuen und muß so die Zufuhr regulieren. Schnell verarbeitbare Kohlenhydrate werden daher durch eine längere Verweilzeit im Magen und kleinere 'Abgabenmengen' in den Dünndarm gebremst. Es ist also ein Steuerungsmechanismus.

> Viel länger verweilen Ballaststoffe, Eiweiße und Fette im Magen -
> und das ist individuell unterschiedlich, aber bis zu 5 Stunden sind
> durchaus normal.

Das ist nach meinen Informationen nicht richtig. Die Halbwertszeiten für die Verweilzeit im Magen schwanken zwischen 30 Minuten für Stärke und 80 Minuten für Glukose.

> Sind Ballaststoffe jedoch erst einmal im Darm, so werden sie
> möglichst schnell wieder ausgeschieden, um darin enthaltene mögliche
> Gifte schnell wieder loszuwerden oder um Gärung zu vermeiden.
> Daher sind sie gut, um Verstopfungen entgegenzuwirken.

Da muß ich leider widersprechen. Zunächst müßten wir klären, was du mit Ballaststoffen meinst. Der Begriff ist im Deutschen leider fehlbesetzt und kann sowohl "Vitalstoffe" als auch "Faserstoffe" meinen. Ich nehme an, du meinst letzteres.

Faserstoffe enthalten aber keine "Gifte" und es findet im gesunden Darm auch keine Gärung statt. Eine Verstopfung ist eine funktionelle Störung der Darmperistaltik, die ihre Ursache primär in einer Unterversorgung des Organismus mit Vitalstoffen hat. Aufgrund der Fehlbesetzung des Begriffs findet man in der Literatur häufig den Zusammenhang "Ballaststoffe = bessere Verdauung". Hier sind die Vitalstoffe wirksam, aber der Volksmund versteht in diesem Zusammenhang Ballaststoffe leider nur als Faserstoffe.

> Wenn mit der "lianen Urmöhre" die BetaSweet oder auch Purple Haze
> gemeint ist, das ist eine Neuzüchtung aus den USA, die seit 2003 Jahren
> auch bei uns auf dem Markt ist.

Ah, dann bin ich auf die Werbung hereingefallen. Sowas passiert mir auch mal... Danke für die Aufklärung.

> Zumindest sind die Alkaloide (Solanin) in der Kartoffel unverträglich,
> die in unseren hochgezüchteten Sorten kaum noch enthalten sind.

Der Solaningehalt der Kartoffel ist relativ gering. Zudem konzentriert er sich an grünen Stellen und unter der Schale. Um toxische Reaktionen auszulösen müßtest du schon rund ein halbes Kilo roh essen.

> Ich dachte, gerade in unserer neuen Zeit, wo wir mit Zahnärzten
> gut versorgt sind, sollte das Kauen selbst kein Problem sein.

Sollte man meinen, ja. Durch die breite Anwendung von Fluoriden und die bessere Hyigiene wird zwar die exogene Kariesentstehung verringert. Gerade das im Säuglingsalter gegebene Fluorid führt aber zur Bildung von Fluorapatit, das zwar wesentlich härter aber auch spröder ist als das normalerweise gebildete Calciumapatit. In Kombination mit der weiten Verbreitung der durch die zivilisatorische Fehlernährung verursachten endogenen Karies führt das zu Zähnen, die zwar äußerlich gesund aussehen, tatsächlich aber von innen her Defekte aufweisen und irgendwann einfach zusammenbrechen.

> Dennoch sind in der Randschicht auch Gifte, die die Pflanze zur
> natürlichen Abwehr gegen Fressfeinde einsetzt. Und diese können
> gerade bei empfindlichen Menschen Probleme machen, wenn sie nicht
> durch eine richtige Behandlung vorverarbeitet werden.

Lektine, Enzyminhibitoren und Phytinsäure - ja, ist bekannt. Das ist aber alles Panikmache und wird vor allem verbreitet, um die Leute von den Vollkornprodukten fernzuhalten. Wenn es dich interessiert, habe ich dazu einen Artikel der Bundesforschungsanstalt für Ernährung.

> Wozu würden Menschen denn sonst ein so aufwendiges Verfahren
> anstellen wie die traditionelle Sauerteigzubereitung, wenn sie es viel
> schneller und einfacher haben könnten und es einfach roh essen könnten?

Weil du ohne Sauerteig aus Roggen kein voluminöses Brot zubereiten kannst. Getreide wurde früher auch ohne Sauerteigführung gegessen - schon bei den alten Germanen und Römern.

> Es gibt Aufzeichnungen von Hippokrates (460-375 v. Chr.) der lehrte,
> dass Vollkornbrot den Darm reinigt, Weissbrot dagegen nährt.

Der Begriff "Weißbrot" (der im Original sicher eine andere Bedeutung hat) hat nichts mit unserem modernen Weißbrot zu tun. Wie gesagt: Auszugsmehl konnte bis vor 120 Jahren technisch gar nicht hergestellt werden. Bis dahin gab es ausschließlich Vollkornmehl.

> Aber gerade Weizenkleie oder andere rohe Getreideprodukte können
> bei empfindlichen Menschen Störungen verursachen und Probleme
> bereiten.

Bisher hatte sich in solchen Fällen als Ursache immer herausgestellt, daß Ernährungsfehler verantwortlich waren. Und häufig wird auch die normale Umstellung der Darmflora, die etwa 6-8 Wochen dauert, fehlinterpretiert und daraufhin behauptet, man vertrage keine Vollkornprodukte.

> Daher finde ich es viel wichtiger, auf seinen eigenen Körper zu hören,

Das ist in einer Zeit, in der die Sinne durch Chemie und Aromen ständig getäuscht werden, nicht ganz einfach...

> Dieser Beitrag ist jetzt etwas länger geworden - aber da ich selbst
> Erklärungen brauche um Dinge zu verstehen, wollte ich nicht einfach
> Dinge in den Raum werfen (man verzeiht mir meine naturwissenschaftliche
> Ader )

Wir sind uns da recht ähnlich. Ich bin auch Naturwissenschaftler und schwer zu überzeugen...
Joachim ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.02.2007, 00:31   Unverträglichkeit von Vollkornprodukten Beitrag #24
Kornblume*
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 06.2005
Ort: NRW
Beiträge: 575
AW: Unverträglichkeit von Vollkornprodukten

Vielleicht noch einmal vorweg: ich habe ein Problem damit, alle Menschen über einen Kamm scheren zu wollen. Menschen sind unterschiedlich und besitzen eine unterschiedliche Konstitution. Deshalb bin ich mit pauschalisierenden Aussagen sehr vorsichtig.
Ich meine auch, dass gerade Nahrungspräferenzen individuell unterschiedlich sein können.
Was gut für den einen ist, kann bei einem anderen Menschen Probleme bereiten. Das gilt meiner Meinung gerade für Rohkost.

@Joachim:

Wir scheinen uns ja in einigen Punkten einig zu sein, aber gerade da scheiden sich unsere Meinungen - so wie sie wohl auch bei anderen zu kontroversen Diskussionen führen.

Eigentlich wollte ich nicht in eine Diskussion einsteigen,
aber da einige Fragen aufgekommen sind, werde ich doch meine eigene Meinung dazu äußern. Da aber gerade bei der Ernährung Studien nur schwer durchzuführen sind und dann auch fraglich ist, wie valide und glaubwürdig das Ganze ist aufgrund der vielen Faktoren, bleibt es letzendlich nur eine persönliche Meinung.

Zitat:
Wie viele behaupten, daß ihnen Vollkorn nicht bekommt? Daß sie es nicht vertragen? Solche Aussagen sind aber prinzipiell eigentlich falsch und müßten korrekterweise lauten: "Ich vertrage im Rahmen meiner derzeitigen Kostform keine Vollkornprodukte"
Ich denke zusätzlich fließt die nicht änderbare Konstitution eines Menschen und auch die Art der Zubereitung der Nahrung ein.
Vollkorn kann bei einigen Menschen daher sehr wohl zu Problemen führen. Bevor man darauf verzichtet sollte man jedoch schauen, wann genau man Probleme hat. Vielleicht hilft schon der Wechsel von "Vollkornbrot" aus Industriefertigung hin zu Vollkornbrot nach traditionellen Verfahren oder feingeschrotetes Brot oder eben der Verzicht auf Zucker zusammen mit Vollkorn.

Bei gemahlenem Weizen siebe ich zum Beispiel einen Großteil der Kleie aus, weil ich das dann besser vertrage (ob es an der Faser selbst liegt oder an den Bestandteilen weiss ich nicht, zumindest bekommt mir das Brot dadurch besser, bei Dinkel brauche ich das dagegen jedoch nicht).

Dass die heutige Nahrung den Körper überlistet oder zu überlisten versucht, ist natürlich auch ein Problem. Genauso wie auch pauschale Ernährungsvorschriften, wie z.B. die Ernährungspyramide zu Verwirrung führen kann.
Viele Menschen haben es daher verlernt, auf ihren Körper zu hören. Selbst wenn das Wissen da ist, merke ich aber auch an mir selbst, dass ich manchmal zu faul bin oder es ist nur mit viel Aufwand möglich, genau das zu essen, was gerade gut für mich wäre. Nicht immer habe ich die Zeit zum Kochen oder habe die Nahrung zur Verfügung, die ich mir wünsche.


Zitat:
Wenn bestimmte Teilprozesse der Verdauung nicht optimal funktionieren - also funktionelle Störungen vorliegen - so haben diese Störungen Ursachen, die man finden und beseitigen kann. Die Frischkost selbst ist aber nicht Ursache solcher Unverträglichkeiten.
Wenn, wie bei mir, die Verdauungsschwäche sozusagen vererbt wurde, ist es schwierig, diese zu beseitigen. Und die klassische Medizin hat bisher auch noch nicht herausgefunden, wie sich eine funktionelle Störung beheben lässt. (Andere Richtungen sprechen von Energieblockaden etc., aber das führt etwas zu weit). Frischkost ist nicht die Ursache einer solchen funktionellen Störung, wie auch Pollen oder bestimmte Lebensmittel nicht die Ursache für Allergien sind. Aber die Vermeidungsstrategie ist eine mögliche Methode, mit dem Problem umzugehen, solange die Ursache nicht beseitigt werden kann.
So wie manche Menschen schneller frieren oder schwitzen arbeitet die Verdauung bei Menschen auch individuell unterschiedlich.

Zitat:
> Meine Verdauung arbeitet generell langsamer als bei anderen und so
> können Lebensmittel mitunter 6-8 Stunden im Magen liegen und auch
> anfangen, zu gären.
Normalerweise gärt im Magen nichts,
Ja, natürlich nicht im Magen - das Gären passiert natürlich im Darm, der ebenfalls bei mir betroffen ist.

Zitat:
Magenprobleme sind eher selten ernährungsbedingt
Richtig, aber mit der richtigen Ernährung kann man die Probleme damit reduzieren. Ich habe z.B. mit Hilfe einer Ernährungsberatung und durch eigenes Ausprobieren herausgefunden, was für mich gut ist und was nicht.
Genauso wie es für bestimmte Krankheiten wie Rheuma oder ADS die richtige Auswahl an Nahrung die Symptomatik positiv beeinflussen lassen. Und die ist eben jeweils individuell unterschiedlich.

Zitat:
Phytin führt nicht zu Verdauungsproblemen, das gehört in die Pollmersche Märchenstunde. ...
"Das Einweichen des Getreides ist aus ernährungsphysiologischen Gründen nicht notwendig. ..."
Phytin schein ja generell ein umstrittener Stoff zu sein.

Aus Wikipedia:
Phytin: "Aufgrund seiner komplexbildenden Eigenschaften kann es, vom Menschen mit der Nahrung aufgenommen, Mineralstoffe im Magen und Darm wie Calcium, Magnesium, Eisen und Zink unlöslich binden, so dass sie dem Körper nicht mehr zur Verfügung stehen."
Phytase: "Dieses Enzym sitzt dort, wo auch das meiste Phytin anzutreffen ist: Im Keim und der Kleie des Getreidekorns. Es wird vor allem durch Einweichen inaktiviert. (Bei Brot 5-12 Stunden). Auch Vitamin C hat die Fähigkeit, Phytin zu inaktivieren."

Den Berich aus Schrot und Korn gibt ebenfalls einen guten Eindruck der aktuellen Diskussion wieder. www.naturkost.de/meldungen/020212.htm
(Ich hoffe, ich darf den Verweis hier angeben)

Mein Wissen über die Verdauung besitze ich aufgrund meiner spezifischen
Krankengeschichte und durch Diskussionen mit angehenden Medizinern, ebenfalls gefärbt durch meine spezifische Situation.
Ich besitze auch nur wenige medizinische Bücher, bei denen ich jetzt
direkt nachschlagen könnte.
Daher fehlen mir die nötigen Ressourcen, um einen Exkurs über die komplexen Zusammenhänge der Verdauung hier mal eben durchzuführen. Und bevor ich noch irgend etwas falsches schreibe, lasse ist es lieber.

Ein paar kleinere Fehler habe ich ja bereits eingebaut, z.B.
> Viel länger verweilen Ballaststoffe, Eiweiße und Fette im Magen -
> und das ist individuell unterschiedlich, aber bis zu 5 Stunden sind
> durchaus normal.
Im Magen selbst werden nur die Kohlenhydrate verarbeitet - im Zwölffingerdarm werden die Enzyme für Eiweiße und Fette bereitgestellt,
den habe ich fälschlicherweise unter den Begriff Magen mit einbezogen.

Aber das ändert an dem Inhalt der Diskussion nichts und da der Beitrag eh schon wieder recht lang geworden ist, belasse ich es jetzt dabei.
Kornblume* ist offline   Mit Zitat antworten
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20.06.2007 3mk 6 12.08.2007 02:49





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