Zitat:
|
Ich habe diesem Fach während meines Studiums sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt: Der erste Hauptsatz lässt sich für jedes System anpassen und anwenden: offene, geschlossene, zeitlich veränderliche, adiabate...
|
Dann empfehle ich als Ergänzung ein Buch über Stoffwechselphysiologie.

-> "Taschenatlas der Ernährung", Biesalski oder "Ernährung des Menschen", Elmadfa, Leitzmann.
Zitat:
|
Das kann nicht richtig sein. Natürlich geht es um die aufgenommene Energiemenge. Die Energie ist konstant und muss irgendwo landen.
|
Das spielt für das Thema Übergewicht überhaupt keine Rolle und dieses Modell ist auch in keinster Weise zielführend. Ich weiß, daß das schwer zu schlucken ist, weil man den Übergewichtigen seit Jahrzehnten einbleut, daß sie auf die Kalorien achten müssen. Deshalb haben wir auch so viele Übergewichtige. Aber ich werde versuchen, es zu erklären:
Unser Organismus hat ein bestimmtes, genetisch definiertes Normalgewicht, das er immer wieder anstrebt. Ein gesunder Organismus entwickelt daher weder Unter- noch Übergewicht. Das kann erst geschehen, wenn die Regulationsmechanismen, die dieses Gewicht konstant halten, gestört werden. Diese Störungen können exakt drei mögliche Ursachen haben:
1. Schadstoffeinwirkungen (bspw. Medikamente). Die Fremdsubstanzen führen zu Stoffwechselstörungen und darüber zu Übergewicht. Man kennt das bspw. vom Cortison, bei dem es zu Wassereinlagerungen kommt.
2. Belastende Lebenssituationen führen zu einer Störung des Hunger / Sättigungsmechanismus. Die Betroffenen essen bspw. um Frust zu kompensieren, aus Trauer, aus Sucht, usw.
3. Ernährungsfehler. Dabei führt die langjährige Ernährung mit stark verarbeiteten und dadurch vitalstoffarmen Nahrungsmitteln zu Stoffwechselstörungen, die dann Gewichtsabweichungen zur Folgen haben.
In allen drei Fällen können sowohl Gewichtsabweichungen nach oben, als auch nach unten auftreten, also Über- oder Untergewicht entstehen. Was im Fall von ernährungsbedingtem Untergewicht zu der offenbar absurden, aber in tatsächlich weit verbreiteten Situation führt, daß der Untergewichtige umso mehr Gewicht verliert(!), je mehr er ißt.
Es ist dir sicher nicht entgangen, daß in keinem der drei Fälle das Wort Kalorien oder Energie gefallen ist. Der Energiegehalt der Nahrung ist wie schon erwähnt, völlig irrelevant, da er nicht URSACHE des Übergewichts ist. Jeder Versuch, das Gewicht des Organismus durch Manipulation des Energiehaushalts zu verändern, ist daher möglicherweise zwar temporär wirksam, ändert aber nichts an dem zugrundeliegenden Problem.
Jemand, der seinen Frust mit Essen kompensiert, kann Sport treiben wie blöd - solange er das Kompensationsproblem nicht löst, wird er immer wieder zunehmen. Ein Übergewichtiger, der sich falsch ernährt, kann sein Gewicht durch Sport und Diät zwangsweise nach unten drücken. Dadurch verschwindet zwar das Symptome der Stoffwechselstörung, aber die Störung besteht weiter. Sport und Diät - oder allgemein Manipulationen des Energiehaushaltes - sind daher nie ursächliche Therapien und können nie zu einer Heilung führen. Im Gegenteil: Da Sport und Diäten bei einem ernährungsbedingten Übergewicht die eigentliche Ursache - den Mangel an Vitalstoffen - noch verschlimmern, verschlimmert sich auch die Krankheit. Dadurch merkt man erst einmal nichts, weil Diät und Sport das Symptom "Gewicht" ja unterdrückt, aber wenn man Sport und Diät beendet, nimmt man durch die nun noch schlimmere Krankheit zwangsläufig umso mehr zu. Der Jojo-Effekt eben.
Man kann das Symptom "Übergewicht" nun zwar lange Zeit unterdrücken, aber das hat einen eklatanten Nachteil: Da die Ursachen nicht abgestellt wurden und sich die ernährungsbedingte Stoffwechselstörung immer weiter verschlimmert, treten immer mehr Störungen auch in anderen Bereichen des Stoffwechsels auf, was sich in immer mehr ernährungsbedingte Zivilisationskrankheiten zeigt. Der Übergewichtige, der sein ernährungsbedingtes Übergewicht durch Diät und Sport bekämpft, erhöht dadurch das Risiko für alle anderen ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten drastisch. Und das sind nicht nur die Allergien, Intoleranzen und andere "harmlose" Problem, sondern auch Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs und etliche andere Krankheiten, die dann vermeintlich aus heiterem Himmel kommen.
Wer das Problem Übergewicht dauerhaft lösen will, muß die eigentlichen Ursachen des Übergewichts abstellen, was bedeutet, er muß in den drei oben genannten Bereichen aktiv werden. Das führt dann zu der oft unverstandenen Situation, daß Übergewichtige bei Korrektur der Ernährungsfehler plötzlich abnehmen, obwohl sie mehr Kalorien zu sich nehmen als je zuvor.
Zitat:
|
Trotzdem wird ein Übermaß an Energie, egal wie vollwertig und vitalstoffreich dieses auch zugeführt werden mag, irgendwo landen müssen.
|
Wenn du es so betrachten möchtest: Der Organismus regelt selbst, wieviel Energie er aus der Nahrung entnimmt. Ein Großteil wird über den Stuhl ausgeschieden, was nicht benötigt wird, wird in Form von Wärme über die Lunge abgeatmet. Selbst auf zellulärer Ebene bestehen biochemische Mechanismen, um einen überschüssigen Energiebedarf durch sog. futile cycles loszuwerden.
Zitat:
|
Zum Beispiel auf den Hüften.
|
Ein Übermaß an Energie wird vom gesunden Organismus immer ausgeregelt. Auf den Hüften landet das nur, wenn der Organismus "nicht weiß, wohin damit", weil die natürlichen Regulationsmechanismen außer Kraft gesetzt werden.
Zitat:
|
Hier im Vollwertforum liest man von vielen Leuten, die trotz vollwertiger Ernährung wieder ein paar Kilo zugelegt haben. Das wäre ja deiner Ansicht nach theoretisch gar nicht möglich.
|
Natürlich ist das möglich. Wir oben beschrieben gibt es DREI mögliche Ursachenbereiche, die Ernährung ist nur einer davon. Und selbst, wenn es sich um ein rein ernährungsbedingtes Übergewicht handelt, ist die nötige Konsequenz so unterschiedlich wie die Konstitution, die wir von unseren (fehlernährten) Vorfahren geerbt haben. Ich kenne auch einige, bei denen sich das Gewicht nur dann normalisiert, wenn sie eine reine Frischkost einhalten. In solchen Fällen reicht die Umstellung auf die normale Vollwertkost mit 30% Frischkostanteil - die ja an der Prävention orientiert ist - nicht mehr aus. Da ist mehr Konsequenz gefordert.
Zitat:
|
Ich habe jetzt zwei Bücher von Bruker gelesen und kann mich mit dem meisten anfreunden was er so erzählt. Dieser eine Punkt aber, dass die Energieaufnahme keinerlei Rolle spielt, gehört gewiss nicht dazu.
|
Der Punkt ist bei Bruker auch nicht sonderlich ausführlich beschrieben, da gebe ich dir Recht. Aber vielleicht konnte ich ja ein wenig Licht in die Sache bringen.