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06.08.2009, 10:11
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Kein Vertrauen / Weiß nicht was ich will Beitrag #1
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Gast
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Kein Vertrauen / Weiß nicht was ich will
Hallo,
erst mal muss ich sagen, es ist so schön, hier zu lesen. Es bestätigt mich wieder in meinem Entschluss, dass irgendwas anderes passieren muss als Kalorien zählen oder minimalistische Mahlzeiten voraus zu planen. Ich habe bereits eine "Karriere" mit Binge Eating Disorder und 40 kg Übergewicht hinter mir. Ich habe eine zweieinhalbjährige Therapie deswegen gemacht, die ich als erfolgreich empfand. Vor 2 Jahren schaffte ich es, 17 kg abzunehmen (Kalorien zählen). Dann bin ich aber schwanger geworden und habe natürlich unterbrochen. Danach hielt sich mein Gewicht bei etwa 3 kg über dem Ausgangsgewicht. Im März (oder so) beschloss ich, dass ich nun weitermachen möchte mit dem Abnehmen. Ich war hoch motiviert und fing zunächst wieder mit dem Kalorienzählen an, was sich aber mit Baby als viel zu aufwändig erwies. Also plante ich "vernünftige", abwechslungsreiche Mahlzeiten im Voraus. Das klappte 3 Wochen lang mit viel Selbstkontrolle. Ich wollte nur 3 Mahlzeiten am Tag essen, hatte aber irgendwie zwischendurch immerzu Hunger (immer etwa 3 bis 4 Stunden nach der Mahlzeit). Zusätzlich fühlte ich eine gewisse Leere in meinem Leben. Vielleicht die psychische Abhängigkeit vom Essen sowie die Beschäftigung mit dem ganzen Thema? Als ich das abbrach, fing ich natürlich erst mal an, wie verrückt zu essen - Nachholebedarf. Als die Phase vorbei war nach ein paar Tagen, entschied ich, alles ganz anders anzugehen: Ich verbannte die Waage in den Keller, ich wollte nur noch essen wenn ich Hunger habe und aufhöre wenn ich satt bin, ich wollte probeweise erst mal trinken wenn ich mir nicht sicher war ob ich Hunger habe und vor allem erlaubte ich mir, alles zu essen. Das schrieb ich mir auch auf ein Kärtchen, das ich an meine Pinnwand heftete.
Aber ach ... die jahrelangen Gedankenmuster und Gewohnheiten sind so stark. Allen voran der Gedanke, dass ich meinem Körper nicht vertrauen kann, was sich vorgestern wieder "bestätigte". Ich holte die Waage hoch und musste feststellen, dass ich fast 4 kg zugenommen habe. Ich hatte es geahnt und wollte es schwarz auf weiß sehen.
Ich weiß auch warum. Ich esse aus Launen heraus. Weil ich müde bin, weil ich positive Stimmung schaffen will, weil ich irgendwas suche und nicht weiß was, weil ich mich langweile, weil ich was fühlen will (und seien es Bauchschmerzen vom Essen oder Hass auf mich selbst, weil ich mich nicht beherrschen kann). Manchmal, wenn ich in dieser "suchenden" Stimmung bin, frage ich mich: Wenn ich jetzt alles auf der Welt haben könnte, was sollte es sein? Doch ich finde keine Antwort darauf. Ich brauche etwas und fühle mich doch gleichzeitig so überladen von allem.
Mein letzter Tagebucheintrag besteht daraus, meinen Körper zu verurteilen und als Verräter zu titulieren, weil er alle Abnehmversuche sabotiert. Ich habe geschrieben, dass ich ihn hasse.
Zum Glück bin ich ein Stehaufmännchen. Ich besorge mir nun ein paar Bücher aus der Bibliothek (z. B. Paul McKenna) und lese hier im N.S.-Forum. Ich überlege mir Alternativen zum Essen und hänge die Liste an den Kühlschrank. Die Waage, die ich heute morgen aus dem Keller geholt habe um mich von nun an wieder täglich zu wiegen und meinen Verräter-Körper zu kontrollieren, verschwindet wieder.
Aber wie lange wird das anhalten? Ein paar Stunden? 1, 2 Tage? Ich bin es so leid. Ich will diese furchtbare Thematik ablegen, aber es ist, als wären wir miteinander verwachsen. Selbst den Plan, nur zu essen wenn ich Hunger habe, empfinde ich bereits als Diät.
Ist es hoffnungslos? Ich brauche euren Rat und Zuspruch.
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06.08.2009, 10:21
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Kein Vertrauen / Weiß nicht was ich will Beitrag #2
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Gast
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AW: Kein Vertrauen / Weiß nicht was ich will
Mir fällt gerade ein, dass das Frühstück heute eigentlich ziemlich gut ablief. Ich wollte Knäckebrot mit Margarine, Schinken, Käse, Joghurt und eine Nektarine essen, sowie dazu einen Eiskaffee trinken. Zuerst gab es Knäcke mit Schinken. Als ich schon ziemlich am Ende war damit, fiel mir auf, dass ich es gar nicht richtig schmecke, weil ich mit meinen Gedanken woanders war - und dann, dass der Schinken komisch schmeckt. Dabei war es immer mein Lieblingsschinken.
Nach ein paar Schlucken Eiskaffee und ein paar Happen Nektarine merkte ich, dass ich eigentlich satt war. Aus Gewohnheit machte ich aber noch die 2. Scheibe Knäcke fertig und legte den Käse drauf und aß die Nektarine auf. Ich biss hinein und dachte: "Ich bin satt, aber will das jetzt essen. Ich habe es geplant, das zu essen. Und es ist doch nur Knäcke." Ich biss noch mal ab. Aber es schmeckte nicht wirklich. Mir ging durch den Kopf: "Was mache ich hier eigentlich? Ich jammere und bemitleide mich selbst, weil ich immer fetter werde und stopfe mich dann mit Essen voll, was mir nicht schmeckt und was mein Körper nicht will."
Meine Tochter deutete in diesem Moment wie wild auf mein Knäckebrot. (Sie ist erst 14 Monate alt und kann noch nicht sprechen.) Also gab ich es ihr. Sie nahm den Käse runter, knabberte am Knäcke und legte es dann weg.
Ich trank meinen Kaffee aus und entschied, dass das Frühstück nun zu Ende ist. Den Joghurt habe ich gar nicht erst angerührt.
Ist doch irgendwie toll, oder? Wenn es mir nur bei den restlichen Mahlzeiten (und Gelüsten zwischendurch) auch so ginge.
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06.08.2009, 10:21
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Kein Vertrauen / Weiß nicht was ich will Beitrag #3
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Feuer und Flamme!
Registriert seit: 08.2004
Ort: München
Beiträge: 11.046
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AW: Kein Vertrauen / Weiß nicht was ich will
Hallo DM,
ersteinmal lass dich in den Arm nehmen  Gemeinsam schaffen wir das schon, und werden mit vereinten Kräften auch dein unterbewusstes "Kuddelmuddel" entwirren
Ach, irgendwie trifft man immer zur richtigen Zeit die richtigen Leute, denn das Thema Selbsthass ist auch eines, dass ich in all den Jahren NatS nicht aufarbeiten konnte. Aber jetzt  Ich habe in einem anderen Forum einen Psychocoach gefragt, was ich denn noch tun könnte, um endlich an die Wurzeln meines Selbsthasses zu kommen. Und seine Gedankengeänge dazu halfen mir tatsächlich weiter. Evtl. auch dir. Bitte ein www vorne dransetzen:
mankau-verlag.de/forum/winter-andreas/141-selbsthass-hass-auf-den-koerper.html
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06.08.2009, 10:37
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Kein Vertrauen / Weiß nicht was ich will Beitrag #4
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Gast
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AW: Kein Vertrauen / Weiß nicht was ich will
Hallo,
danke für die schnelle Antwort. Ich habe euer Gespräch in dem anderen Forum gelesen. Woher dieser Selbsthass kommt, weiß ich. In der Pubertät ging ich auseinander wie ein Hefekuchen. Meine Mutter, die selbst immer wieder Anorexie-Phasen hat, hat dann jahrelang ständig blöde Bemerkungen gemacht und mich angeschnauzt wenn ich "böse" Lebensmittel gegessen habe (also Schoki usw. - was sie aber selbst gekauft und in den Schrank gelegt hat). Das hat erst aufgehört, als ich ihr vor ein paar Jahren klipp und klar gesagt habe, sie soll aufhören mich zu beleidigen wegen meiner Figur und dass sie damit klarkommen muss, dass ich (und auch meine Schwester) keine Hungerhaken und keine Hungerkünstler sind wie sie. Eigentlich wollte ich noch hinzufügen, dass wir nur so dick geworden sind, weil sie uns ständig diese Hungerei vorgelebt hat, aber unsere Körper einen starken Selbstschutzmechanismus haben. Aber das hätte sie wohl nicht verstanden. Es war aber auch so unglaublich befreiend.
Aber die Gedanken sind nach 15 Jahren so eingeätzt in meinem Kopf und werden immer wieder bestätigt durch Kommentare Fremder auf der Straße (vor allem Jugendliche - ich habe schon richtig Angst wenn ich welche aus der Ferne sehe).
Na ja, wie gesagt war meine Therapie doch schon sehr erfolgreich und ich dachte, ich wäre geheilt. Aber nach 1,5 Jahren nach Abschluss merke ich, dass da noch mehr ist und der große Verdacht auf eine weitere Erkankung besteht. Ich müsste eine weitere Therapie machen, doch die Chance auf einen Platz ist aussichtslos ...
Na vielleicht hilft mir schon eure Unterstützung weiter. :-)
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06.08.2009, 10:51
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Kein Vertrauen / Weiß nicht was ich will Beitrag #5
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Feuer und Flamme!
Registriert seit: 08.2004
Ort: München
Beiträge: 11.046
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AW: Kein Vertrauen / Weiß nicht was ich will
Hallo Lady,
bist du sicher, dass es erst in der Pubertät anfing? Oder war das nur der entgültige Auslöser? Vielleicht forschst du mal in diese Richtung?  Meistens gibt es schon in frühester Kindheit erste Erlebnisse, die quasi eine "Vorprogrammierung" darstellen, die dann bei erneuten erlebten "Traumata" in dieser Richtung, aufbrechen und das entsprechende selbstzerstörerische Verhalten auslösen. Meistens sind das Machtlosigkeits- oder Bevormundungserfahrungen.
Wenn du Interesse daran hast, tiefenpsychologisch an die Sache heranzugehen, empfehle ich dir "Heilen ohne Medikamente" von Andreas Winter. Damit arbeite ich zurzeit, und es purzelt Stück für Stück eine Erkenntnis nach der anderen
Versuche dir mal die folgenden Fragen zu beantworten (gilt nicht nur in Bezug auf Übergewicht, sondern auch bei chronischen Erkrankungen, Zwangsstörungen etc. All dies sind keine "Dummheiten" oder "Krankheiten" sondern selbstgewählte, intelligente Schutzmechanismen!):
1. Wovor schützt dich dein Symptom? Was hast du erlebt, dass du es vorziehst, so zu leiden?
2. Warum ausgerechnet dieses Symptom? Welche Symbolik hat dein Symptom für dich. Also warum bist du ausgerechnet dick geworden, anstatt z.B. ein anderes Symptom zu entwickeln?
3. Wenn du dein Symptom aufgeben würdest, welche Folgen hätte das? Welchen "Preis" hättest du zu zahlen?
4. Und wenn das, wovor du dich mit deinem Symptom zu schützen versuchst, wirklich eintreffen würde, wäre es wirklich so schlimm, wie du befürchtest?
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06.08.2009, 11:15
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Kein Vertrauen / Weiß nicht was ich will Beitrag #6
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Problemlöser
Registriert seit: 07.2007
Beiträge: 573
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AW: Kein Vertrauen / Weiß nicht was ich will
Hallo DM-Lady,
nein, nichts ist hoffnungslos gar nichts. So wie du fühlte ich mich auch. Und ich hatte diese Sch.... Diäten, Ernährungsfachleute und pi pa po so satt, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Ständig sich im Kreis drehen, immer wieder von vorne anfangen und dann diese Fressanfälle, bei denen der Mund und der Bauch nicht voll genug sein können, kenn ich leider auch.
Jetzt fühle ich mich frei. Ich kann jetzt essen, wenn ich wirklich körperlichen Hunger habe und glaube mir der ist echt sehr selten! Inzwischen habe ich seit ca. 10. Juli ca.5-6 Kilo abgenommen. Weisst du eigentlich wie schwer für mich es sonst war auch nur 2 Kilos abzuspecken??? Eine Qual. Essen ist endlich nur noch ein notwendiges Übel und meine Gedanken kreisen sich nicht ständig nur ums eine (nämlich Essen).
Also ich denke wir können dich unterstützen, leider sind hier noch nicht alle vollständig durchgebrochen. Selbscoaching muss einem liegen, aber wenn die Informationen da sind ist der Essensdrang von jetzt auf gleich futsch! Fürs erste: Erst wohlfühlen, dann essen.
Alles Gute
Insi
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