Hallo,
ich bin neu, aber ich bin ein Fan der "natürlich schlank" Methoden - weil sich über die Jahre zumindest für mich diese Methoden als die einzigen wirklich funktionierenden herausgestellt haben. Aber: Ich habe auch mit den gängigen natürlich-schlanken Methoden immense Probleme, die wirklich durchzuhalten und zu praktizieren.
Da mich das Thema "Diät" und "was funktioniert überhaupt" auch generell interessiert, stöbere ich gern nach neuen Methoden oder anderen Denkanstössen. Dabei bin ich vor Jahren schon in irgendeiner Wissenschaftsnachricht irgendwo auf einen Nebenhinweis gefallen, dass ein Psychologe in einer Studie Leuten einfach nur "anders leben" (statt anders essen) verordnet hat und damit gute Erfolge erzielt hatte.
Natürlich habe ich Autor und Idee prompt wieder vergessen und bin aber vor einem halben Jahr nach Stunden Rumgooglens endlich auf die Quelle gestossen. (
"No diet diet" von Fletcher/Pine heisst das Buch, ja der Titel ist grausam und Ja, es ist auch auf Deutsch (Heyne) erhältlich inzwischen...)
Im letzten halben Jahr habe also mit diesem Ansatz experimentiert und finde den ausgesprochen gut und alltagstauglich und funktionierend.
Er steht und fällt allerdings - wie alle Ansätze, die auf einer Lebensveränderung hin zu einer natürlichen Essweise beruhen - damit, dass man den Wandel wirklich MACHT und LEBT, das will ich gleich dazu sagen. (Ich falle nämlich auch regelmässig wieder in den alten Trott...)
Die Grundidee:
Statt am Essen etwas zu ändern, ändert man als Übergewichtige den Lebensstil, der sich nämlich von natürlich schlanken Leuten in vielen Nuancen unterscheidet. Leben die Leute einen schlankeren Lebensstil, brauchen sie nicht mehr soviel zu essen.
Das Programm:
Man macht jeden Tag etwas anders oder neues. Das Essverhalten spielt keine Rolle. Daran wird nicht rumgedoktert. Der Fokus richtet sich vollständig auf "anders leben", "andere Dinge tun" und "sich anders verhalten".
Das bezieht sich manchmal auf so simple Dinge wie "heute kein Fernsehen" (als Internet-Junkie habe ich diese Aufgabe für mich in "heute kein Internet" umgewandelt

oder auf Verhaltensweisen "heute halte ich mal den Mund" (wenn ich sehr lebhaft und eher rechthaberisch bin) oder "heute sag' ich mal was" (wenn ich eher still und schüchtern bin). Grundsätzlich tut man etwas Neues oder man macht alte Verhaltensweisen einfach mal anders und gibt sich täglich einen kleinen Schubs, sozusagen.
Die Idee dahinter:
Man versucht, an kleinen Ecken und Enden den gewohnten Lebens- und Alltagstrott aufzubrechen und sich sozusagen aufzurütteln. Durch die Veränderung verbessert sich die allgemeine Gefühlslage und das ermöglicht, gelassener mit Essen umzugehen. Weil man flexibler ist, und flexibler auf den Alltag und Probleme reagieren lernt, benötigt man weniger Essen als Ersatz für etwas anderes.
Bei MIR zumindest schlägt der Ansatz sofort und sehr gut an - vor 2 Jahren habe ich damit schonmal einen Sommer lang "aus Versehen" experimentiert (bedingt durch starke Veränderungen in meinem Privatleben, Beziehungstrara und all sowas habe ich ganz aus Versehen viele Dinge anders gemacht) und *schwupp* waren das 10 Kilo weniger und das wirklich unter völliger Ignoranz, auch nur _irgendwo_ auf's Essen zu achten.
Das war sehr, sehr erholsam - weil mich an den "nur essen, wenn man Hunger hat" Ansätzen sehr stört, das man weiterhin ständig in sich rein horchen muss, ob man nun Äpfel oder Birnen will, ob man Hunger hat, ob man satt ist und all sowas. Mich strengt das wirklich wahnsinnig an und laugt mich geistig total aus.
Ein hochinteressanter Nebeneffekt ist, dass man ein sehr scharfes Gespür dafür entwickelt, wie sehr man dazu neigt, das Leben um's Essen zu gruppieren, statt das Essen an das Leben anzupassen, sozusagen. Ich neige jedenfalls sehr dazu, meine Aktivitäten und meinen Tagesablauf an Mahlzeiten, Einkaufsmöglichkeiten, Hunger und Übersättigung anzupassen.
Was ich so aus den englischsprachigen Kommentaren entnehme, ist ein häufiger Scheiterungsgrund, dass die Leute die Anweisungen des Buchs wortwörtlich nehmen, statt für sich anzupassen:
Z.b. der fernsehfreie Abend wird von vielen Leuten mit den Worten "ich habe gar keinen Fernseher" einfach abgebügelt - ich hab' wie gesagt einen internetfreien Abend draus gemacht (hab' auch keinen Fernseher...).
Eine Aufgabe ist z.B. auch einen Spaziergang zu machen - den mache ich auch täglich sowieso, also habe ich mir etwas anderes ausgedacht, was ich sonst eben NICHT mache. (Mit Tagebuch auf eine Parkbank gesetzt.)
Eine dritte Aufgabe ist, heute doch einfach mal was anderes als Kaffee und Cola zu trinken - trinke ich eh nicht, also habe ich das Gegenteil gemacht und an dem Tag genau eben DOCH Cola getrunken (*würg* Ja, es war eine neue Erfahrung, keine Frage...

) - alles im Dienste des "anders machen".
Nachteile:
Ich muss mich weiterhin sehr aufraffen, mich selbst sozusagen aus der Komfortzone zu schubsen. Und ich stosse regelmässig auf eigene Barrieren wie "das finde ich aber doof" oder "ach nee, keine Lust" oder auch so ganz subtile Angst-/Schüchternheits-Geschichten, wo ich neue Erfahrungen meide.
Das Verrückte daran ist: Im Grunde ist das eine Anleitung zum "besser Leben" im weitesten Sinne - und trotzdem tue ich mich wirklich schwer damit.
Und Ja, mein erster Gedanke dazu war auch "das KANN nicht funktionieren" und "wieder so eine tolle Werbeversprechen-Diät" - ich finde es jetzt aber nach einigen Anläufen ziemlich cool und vielversprechend.
(Das Buch ist vom Tonfall her - naja, nicht ganz amerikanisch, aber doch schwer auf "für jedermann verständlich" getrimmt... bitte darüber hinweglesen...)
Mich würden andere Meinungen zu dem Ansatz interessieren bzw. wenn ihn bisher niemand kennt, würde ich mich freuen, wenn ihn ein paar Neugierige mit ausprobieren.
Roman Ende.