Hallo zusammen!
Erst mal zu mir. Ich bin Jen, 27 und Studentin. Ich habe im letzten Jahr mein Gewicht von 109,3kg auf 74,9kg reduziert, bei 1,66m Körpergröße.
Angefangen hat das ganze als ich letztes Jahr ein Praktikum machte, was sehr erfolgreich und auch eine richtig schöne Zeit für mich war. Wir waren vier Praktikantinnen und gaben zu unserem Ausstand eine Abschiedsparty in der Firma. Das war am 8.9.2006.
Drei Wochen später schickte mir eine Ex-Kollegin die Fotos von dieser Party zu.
Ich war ehrlich geschockt. Ich war mein Leben lang schon übergewichtig, aber irgendwie habe ich mich nie so krass gesehen wie auf diese Fotos. Da habe ich beschlossen, es muss sich was ändern!
Also bin ich noch am selben Tag zu einer Ärztin, einer Diabetologin. Ich selbst habe (was ein kleines medizinisches Wunder ist) Bilderbuchblutwerte trotz lebenslangem Übergewicht, aber ich wusste dass die Ärztin selbst einmal 20kg abgenommen hat und das gab mir ein wenig Zuversicht. Schließlich weiß sie dann auch praktisch, wovon sie redet.
Bei ihr wurde ich dann in eine Einzel-Diätberatung eingeteilt, zu der ich seitdem alle 3-4 Wochen gehe, gewogen und gemessen werde. Und die hat mir zum ersten Mal richtig klar gemacht: eine Diät ist keine Lösung. Es gibt einen Grund, warum ich 40 kg Übergeweicht habe, und der ist, dass ich mich falsch ernähre. Also bringt das Prinzip Diät - was ja von Haus aus zeitlich begrenzt ist - überhaupt nichts, wenn ich danach wieder anfange, zu leben und zu essen wie vorher. Ich musste mein Leben ändern - nicht nur mein Essverhalten.
Das beinhaltete vor allem zwei Dinge: 5 mal die Woche Ausdauersport plus Muskeltraining (zur Hautstraffung) und ein Ernährungstagebuch. Ich schreibe also tatsächlich seit einem Jahr alles auf, was ich esse und an Sport treibe. Und damit meine ich keine Kalorientabellen. Ganz einfach zwei Spalten in einem leeren Buch, eine Seite ist eine Woche, Sport auf der einen, Essen auf der anderen Seite. So hat man immer einen Überblick über die Balance zwischen beidem. Und wenn man statt Kalorien die Bezeichnungen für das tatsächliche Essen aufschreibt, bekommt man auch eher ein Gefühl dafür, was man essen kann/soll/darf und was nicht. Man findet sein eigenes, persönliches Level.
Beim Essen habe ich die altbekannten Regeln beachtet: Fett weglassen wo immer geht und nur essen, wenn man wirklich Hunger hat. Aber sich auch mal was gönnen - eben ein halbes Stück Kuchen oder einen Kinderriegel, statt zwei oder einer ganzen Packung

- und das einmal die Woche, nicht jeden Tag. Aber nie zu streng, sonst wird man frustriert und hält langfristig nicht mehr durch.
Und dann wäre da der Sport. Ich fing an mit Crosstrainer im Fitnesstudio und Nordic Walking - meiner Knie wegen, die die 110kg ja schließlich tragen mussten. 5x die Woche, je mindestens 1 Stunde. Nordic Walking meist 90 Minuten. Und dazu 3-4 mal die Woche Bauch-Beine-Po oder Gerätetraining im Fitnesstudio. Ich habe das einfach zur Priorität gemacht und das ist heute noch so: Ich überlege am Abend vorher, was und wie ich am nächsten Tag Sport in den Tagesablauf reinbringen kann und da kann dann auch nichts dran rütteln. Meine Umwelt unterstützt mich da Gott sei Dank sehr.
Heute gehe ich laufen, 9km in einer Stunde. Immer noch fünf Mal die Woche. Ausserdem mache ich PowerYoga - super zur Hautstraffung! Ich habe mir das selbst beigebracht, per DVD zu Hause, da ich nicht so der esoterische Typ bin und in einer Gruppe wohl eher Lachkrämpfe bekämpfen müsste als Muskelkater. Aber selbst funktioniert das wunderbar - und macht echt Spaß!
Ein weiterer Punkt: Medikamente. Ich weiß, das ist eigentlich ein böses Wort, wenn es ums Abnehmen geht, aber ich rede hier nicht von Appetitzüglern. Das Präperat, das ich nehme, Accomplia, funktioniert etwas anders und ist auch wirklich nur für adipöse Patienten geeignet, denn es bekämpft die Ursachen, nicht das Fett an sich. Es gibt verschiedene Meinungen dazu, viele mussten es wieder absetzen weil sie Depressionen davon bekamen, aber ich vertrage es super. Ich nehme es jetzt seit einem Jahr und werde es noch ein weiteres nehmen - wichtig ist, dass man (wenn man es denn verträgt) die Therapie langfristig durchzieht, sonst bringt es nichts, und am Ende langsam die Tabletten ausschleicht. Sonst hat man einen Rebound Effekt, ähnlich dem berüchtigten Jojo. Und es dauert auch etwa 4-6 Wochen, bis man einen Effekt spürt, aber es bringt was. Man spürt die Versuchungen nicht mehr so stark, das Nein-sagen fällt viel leichter. Bei mir hatte der Effekt gerade eingesetzt, als die Weihnachtsbäckerei letztes Jahr losging. Und ich ging an Zimtwaffelbuden vorbei, ohne auch nur die geringste Lust zu spüren... echt erstaunlich.
Inzwischen bin ich bei 74,9 kg und will noch zehn runterschaffen. Ich habs also noch nicht ganz geschafft. In den letzten beiden Monate stehe ich mehr oder weniger, es geht mal rauf und mal runter, aber ich beweg mich immer so um die 75kg. Aber das wird sich auch wieder ändern. Meine Ärztin meint, mein Körper braucht mal eine Verschnaufpause, um sich zu regenerieren. Wenn ich jetzt anfange, zu wenig zu essen, geht mein Stoffwechsel in den Keller und das ist kontraproduktiv.
Also mache ich weiter meinen Sport, schreibe mein Tagebuch und nehme meine Accomplia. Beim Essen habe ich mich inzwischen so daran gewöhnt, dass ich immer darauf achte dass es fettarm ist, oder wenn ich mal was Süßes oder Fettiges esse, dass ich am nächsten Tag durch Rohkost oder Suppen ausgleiche - darauf muss ich eigentlich kaum noch achten.
Hätte man mir das vor einem Jahr erzählt, ich hätte den Vogel gezeigt
Fazit:
Viel Sport!!!
Accomplia und eine gute medizinische Beratung (auch um Blutwerte und evtl Nebenwirkungen direkt unter Kontrolle zu haben)
ein Tagebuch über Essen und Bewegung
und
von der Ernährung her einfach versuchen, Fettbomben zu vermeiden, aber nie zu krass! Sonst fällt man in die Diätfalle, da man das niemals langfristig durchziehen kann und der Körper da paradox drauf reagiert.
Ich wünsche jedem einzelnen von euch gaaanz viel Erfolg!
Es ist machbar - ich hätte es nicht gedacht, aber es ist tatsächlich machbar!!!!
Ganz liebe Grüße,
eure Jen