Tja, wo fangen wir da am Besten an..
Ich war schon immer ein Moppelchen, so lange ich denken kann. Geboren wurde ich in 1985 und mindestens seit Kindergartentagen bin ich uebergewichtig. Meine Eltern haben schon immer volltags gearbeitet, deswegen habe ich meine Kindertage ueberwiegend bei Pflegeeltern verbracht. Diese haben mich gut gefuettert, und wie mir gesagt wurde, haben meine Eltern meine Wein- und Wutanfaelle auch oftmals mit Suessigkeiten beschwichtigt.
Portionen waren mir schon immer ein Raetsel und nie hat mich jemand darueber aufgeklaert. Der Kuehlschrank zu Hause war immer offen, Chips und Schoki immer im Haus. Eltern dagegen nicht. Als ich schliesslich in die OS kam mit meinen 10 Jahren wurde ich ein Schluesselkind. Mittagessen gabs bei den Grosseltern nebenan, den Rest des Tages war ich auf mich allein gestellt. Dazu lebten wir in einem recht abgeschiedenen Wald, also mit Freunden weggehen war nicht ganz einfach ohne Chauffeur).
Um diese Zeit fingen dann auch die Neckereien und Beleidigungen in der Schule an. Ich war immer die Dicke. Nie beliebt, von Jungen gemieden und immer irgendwo an der Aussenseite. Hinzu war mein Vater dem Alkohol sehr angetan und er ist ein sehr.. aggressiver Trinker. "Fett", "Faul" und "Loser" waren nur einige der Sachen, die er mir regelmaessig an den Kopf wurf.
Futtern wurde mein bester Freund. Wenn mich schon keiner leiden mochte, dann konnte ich ja wenigstens soviel Schoki haben, wie ich wollte. Also moppelte ich mich weiter durch OS und Gymnasiumszeit und wurde mehr und mehr zum schuechternen Aussenseiter.
Meinen ersten Freund hatte ich im recht fortgeschrittenen Alter von 15. Dieser machte nach ungefaehr einem Monat Schluss, nie bekam ich eine Begruendung. Daher schloss ich, ich war einfach zu dick. Was half mir darueber hinweg? Schoki. Teufelskreis.
Mit 17 lernte ich dann jemanden in der USA kennen, den ich sehr liebgewann und auch besuchen ging.
So sah ich damals aus. Ich denke, das war so ziemlich mein Hoechstgewicht. Aber ich hab noch mehr Fotos. Ich schau sie nicht gerne an, aber es ist doch schoen zu wissen, wie weit man gekommen ist.
Diese Fotos wurden alle im Alter von 17-19 gemacht.
Mit 18 brach ich das Gymnasium in der 13. Klasse ab. Ich war einfach sehr ungluecklich dort und mit meinem Leben generell. Ich fuehrte alles auf mein Gewicht zurueck (natuerlich stimmte dies nicht, aber es war meine Motivation). Wenn ich schon nichts anderes in meinem Leben auf die Reihe kriegte, dann sollte das Gewicht wenigstens mir nicht mehr im Wege stehen.
2006 begann ich eine Grafikdesign Lehre in Hamburg und nahm mir vor, abzunehmen. Schoki war verbannt, ausserdem auch Fruehstueck, Mittag und Snacks. Die einzige Mahlzeit, die ich zu mir nahm, war Abendbrot. Es klappte, und in ca. 5 Monaten nahm ich um die 15kg ab mit dieser Taktik. Aber ich war unzufrieden - tagsueber hungrig, am Abend den Bauch vollschlagen, das konnte es ja irgendwie auch nicht sein. Ich begann, mich tagsueber von Fruechten und Gemuese zu ernaehren und ass weniger am Abend. Schon besser! Und es half mir wieder, mehr abzunehmen.
Im November 2006 zog ich nach Kanada zu meinem Freund (mittlerweile Mann =)). Damals wog ich ca. 64kg. Besser, aber mir noch nicht gut genug.
Fuer ein paar Monate bin ich in die ganz ungesunde Fasten/Essen&Erbrechen Ecke gerueckt, habe mich aber zum Glueck gefangen, bevor es richtig ernst wurde. Der Dank gilt meinem Mann, der mir oft, sehr oft den Kopf zurechtruecken musste, damit ich esse und wieder eine normale Beziehung zu Essen aufbaue.
Im Februar haben wir geheiratet. 58kg.
Seitdem habe ich noch ca. 5kg abgenommen mit 1200-1400 Kalorien am Tag und vielen Fruechten, Schoki der Natur. =)
Mittlerweile wiege ich also 53kg. Bin damit recht zufrieden, aber irgendwie will man ja immer noch 'ein, zwei Kilo weniger'. Ich hab das Sporteln angefangen, damit ich die ueberfluessige Haut loswerde sowie die Restcellulite. Hab bisher recht guten Erfolg damit, aber der Bauch koennte natuerlich noch fester sein!
Nun ja, so seh ich heutzutage aus:
Ich wuerde ja zu gerne auf ein Klassentreffen gehen... =) Aber da ich mittlerweile in Kanada lebe, duerfte das schwer sein. Jedenfalls tut mir die Entfernung zu meinem Vater und auch Deutschland generell gut (obwohl ich meine Freunde und Familie sehr vermisse!) und ich habe wieder Perspektive sowie Freude am Leben. So soll's sein!