Hallo, ich bin Daniel und neu hier.
Das ist meine Geschichte. Ich hoffe irgendwer wird sie lesen...auch wenns echt viel geworden ist.
Leben als Dicker
Nun, seitdem ich denken kann war ich nie schlank. Es muss irgendwann in der Kindergartenzeit angefangen haben. Zumindest wog ich in der ersten klasse bereits 50kg, eine Unmöglichkeit betrachtet man seine Mitschüler, die 30 bis allerhöchstens 40kg wogen. Unzufrieden war ich nicht. Es ist wie es ist: als Kind nimmt man viele Dinge einfach viel leichter, man hat keine alltäglichen Sorgen, man spielt mit seinen Legosteinen, später mal Nintendo, spielt mit Freunden. Man ist zwar der Dicke für andere, doch stellt man gleichzeitig auch den Archetypus eines Dicken dar, so wie er in drittklassigen Kinderserien dargestellt wird: man ist gutherzig, ein wenig vertrottelt und tollpatschig, lustig und ein toller Kumpel. Man ist keine „Führungspersönlichkeit“ im Freundeskreis, sondern übernimmt die Rolle des Dicken. Beleidigungen wie „Fettsack“, „fette Qualle“ oder sogar „Fettschwein“ kontert man als Kind mit Standartsätzen wie „ich habe schwere Knochen“ oder „ich bin halt anders“, doch irgendwann gewöhnt man sich an derartige Ausrufe.
Wie man dem Text entnehmen kann, war (Betonung auf war) ich mein ganzes Leben lang dick. Irgendwann in der siebten Klasse ging’s dann mit den Mädchen los. Für mich undenkbar wie die smarten Mitschüler ein Mädchen zum ersten Mal zu küssen oder gar erste sexuelle Kontakte zu haben. Man wird depressiv und versteckt es hinter einer Fassade von Fröhlichkeit und Humor, damit der Dicke nicht ganz im Abseits landet, man drängt sich in den Mittelpunkt um nicht vergessen zu werden. Und ich war seit jeher extrovertiert.
Die Zeit verging, das Problem blieb. Irgendwann hatten Freunde ihre zweite, dritte, vierte Partnerin, ich bis auf eine Erfundene gar keine. Als ich mein 18tes Lebensjahr fast vollendet habe, machte ich mir meine ersten Gedanken. So banal es auch klingen mag: ich tat es zuerst gar nicht für mich selbst, sondern für andere. Ich wollte auch eine Freundin haben. Zwar war ich mit 17 zum ersten Mal vergeben, doch möchte ich dies nicht als Beziehung im „herkömmlichen“ Sinne darstellen. Ich hatte zuerst also den Drang ein Mädchen zu kriegen, um ehrlich zu sein sogar geliebt und geachtet zu werden. Ich entwickelte Hass auf mich und jegliches Dicke, hasste aber gleichenfalls die Oberflächlichkeit der Gesellschaft sowie die meinige, da ich der Meinung war, dass ich als Dicker nie geliebt werden könnte. Später wollte ich auch mal im Sommer im Freibad hocken, coole Klamotten tragen und nicht Zaungast sein, wenn die Jungs und ich Mädels trafen.
Mein Leben als Dicker sollte beendet werden, ich wollte mich quasi neu erfinden. Es ging los…
Erste kleine Erfolge…
Was sollte ich denn tun? Schwimmen? Nein, da kann man meinen fetten Körper sehen. Ich schämte mich. Laufen? Mit Raucherlunge? Nein. Fahrradfahren? Zu anstrengend.
Die ersten zwei Monate machte ich lange Spaziergänge, ganz chillig und gelassen. Es kam mir nicht wie Sport vor, und vielleicht war es auch nicht das was man Sport nennen kann, doch es ebnete mir die Straße für weitere Erfolge. Ich nahm in den zwei Monaten 6kg ab, ohne etwas zu tun was mich anstrengte. Jeden tag ging ich sechs Kilometer zu Fuß. Es war auch nicht langweilig, da ich wie ein Schlot rauchte und Musik hörte. Es machte mir Spaß und wurde zum Ritual.
Qual und Sucht
Als es im März, ich war bereits 19 Jahre (12.01.1986), dann etwas wärmer wurde und ich durch erste Erfolge Blut geleckt habe, wollte ich noch effizienter abnehmen. Ich hatte damals schon ein sehr schönes Fahrrad (das ich heute noch benutze) und darum schwang ich mich drauf und fuhr los. Die ersten zwei Tage ließ ich es ruhig angehen. Dennoch tat mir besonders mein ***** weh. Dann fuhr ich meine Stammstrecke, 40km, die ich wenn ich heute mal fahre immer noch nehme. Das machte ich täglich. Nebenbei hörte ich viel Musik auf meinem mp3-Player. Gerade die Tatsache, dass Musik meine größte Leidenschaft ist, machte das Fahrradfahren erträglich. Ich war konzentrierter und entspannter. Ich denke man muss etwas Unangenehmes einfach mit etwas kombinieren, was Spaß macht, dann klappt’s. Die ersten Pfunde purzelten, es war fast nicht normal. Ich habe bis zum Mai 40kg abgenommen. Nebenbei ging ich auch schwimmen, jeden Tag eine Stunde, ohne Pause. Ich fühlte mich gut. Anfangs tat alles weh, doch am Ende konnte ich ohne Rad und Schwimmbad nicht mehr. Es machte mir Spaß und machte mich „süchtig“. Ohne schweißverschmierten Körper kam es mir fortan sogar vor, als hätte ich nicht richtige Leistung gegeben. Es war eine Zeit voller Qual aber im Endeffekt hat es mir Spaß gemacht und mir eine Menge gebracht.
Neugeborenes *********
Ich betrete den Raum, die Blicke auf mich gerichtet. Nicht weil ich der dicke Luftikus bin, nicht weil ich abstoßend bin. Mit hautengem Muskelshirt, flachem Bauch und keinem aufgequollenem Gesicht (mehr) stolzierte ich und genoss es Komplimente von allen Seiten zu kriegen. „Wow, du siehst so dünn aus.“ „Maaaaaann, Respekt, Alter!“ oder sogar (das härteste) „Jeden Tag soviel Sport? Du bist doch krank im Kopf. Du bist ein Masochist.“ Aber ich freute mich über jede Kenntnis über mein neues Ich und langsam wurde ich überheblich. Mehrer Mädels liefen mir hinterher, ich war gut angezogen (ihr glaubt gar nicht wie sehr mir Mode und Shopping plötzlich Spaß gemacht haben) und stolz auf mich. Ich war selbstbewusster als früher und gut gelaunt. Gleichzeitig fing ich an Menschen von oben herab zu behandeln. Ich sah Dicke, die nichts für sich taten und hasste sie davor, verspottete sie. Gleichermaßen hasste ich mein altes Ich und vergeudete Jahre. Ich sah mich in ihnen und vorm Spiegel ****te mich jedes bisschen Dicke an. Ich begann Pfunde zu sehen. Ich dachte echt, dass ich Komplexe habe und ekelte mich davor dass ich plötzlich vom freundlichen Menschen zum ********* mutiert bin. Ich rechtfertigte alles Gute, vor allem charakterliche Stärken von Dicken, als puren letzten Ausweg über ihre „Hässlichkeit“ hinwegzutäuschen, so wie ich es meiner Meinung nach auch getan habe. Ich wurde zu überheblich und begann alles und jeden als Minderwertig anzusehen, wurde unzufrieden mit mir selbst. Ich wollte auch aufhören, als Dicker immer heuchlerisch Ja und Amen zu sagen. Ich war neu (geboren), besser, stärker…
Nebenbei machte meine Leber Stress. Wenn man schnell abnimmt werden aus dem Fettgewebe so viele Giftstoffe freigesetzt, dass die Leber ernsthafte Probleme kriegt. Nach zwei Monaten Pillen und Bluttests konnte das Problem überwunden werden.
Erst als ich mit meiner jetzigen Freundin zusammenkam, brachte ich mich in Einklang.
Jojo-Effekt?
Ich habe mich nicht hier angemeldet, weil ich Hilfe brauche, sondern weil das Thema abnehmen momentan wieder präsent bei mir ist. In der letzten Zeit habe ich etwas viel gegessen und na ja, jetzt habe ich ein paar Kilos zu viel. Letzte Woche (26.04.07) waren es 86kg. Ich bin fast gestoben und hätte losheulen können. Dann fing ich mit meinem alten Programm wieder an und heute (03.05.07) wiege ich nur noch 80. Es war wieder schwer, ultraschwer. Doch ich habe erneut Blut geleckt und will meine Grenzen wieder und wieder erreichen. Heute war ich Schwimmen und Rad fahren und es ist unglaublich befreiend. Ich habe mir vorgenommen spätestens bis ;itte Juli nur noch 70 bis höchstens 75 zu wiegen (184cm groß) und ich kann nur betonen, dass das eigentlich gar kein Problem werden kann, wenn man sich mit Sport anfreundet und ein Ziel vor Augen hat.
PS: mein Essverhalten habe ich nie großartig umgestellt, höchstens vielleicht wenn man beachtet, dass ich mit 14 Jahren pro Tag ein RIESEN-Döner und zwei Tüten Chips gegessen hab und ich heute schon nach einer satt umkippen kann.
Ich in Zahlen
-2002: Höchstgewicht 125kg
2003: 120kg
2003-2004: 115kg
November 2004-März 2005: 109/110kg
März 2005-Juni 2005: 75kg
Juni 2005-April 2007: schwankend zwischen 75 bis 80kg
Ende April 2007: 86kg
Mai 2007: 80kg
Ich in Bildern
Davor:
Da war ich 15 und habe mein Zenit von 125kg gerade erreicht, ob ihrs nun glaubt oder nicht. Seid froh, dass ich aus dieser zeit nur ein Passfoti habe
Nochmal mit 15 Jahren. Ganz übel...vielleicht das schrecklichste "Beweisfoto".
16, Ende des Jahres. In dem Hemd ertrinke ich heute regelrecht: XXL, heute ist es M oder sogar S.
Das war 2004, ich war 18. Lustige Hamsterbäckchen, aber nochmal will ich sie nicht. Hemd aus der gleichen "Kollektion" wie das von Bild 3.
Danach:
Zeitsprung: Sommer 2006 im Westfalenpark Dortmund (ich komm aus Dortmund, nur so nebenbei).
Im Wald. Ich kann auch farbige Sachen (hier grün) tragen, ohne Angst zu haben dass man Speckfalten (anders als in schwarzen Klamotten, die ich sonst immer trug und immer noch gerne trage) sieht.
Ich nochmal.
Schweden Urlaub, April 2007.