Vorwort
Je mehr ich hier im Forum lese, umso mehr drängt sich mir manchmal der Eindruck auf, daß sich viele Menschen nicht nur mit Übergewicht ihrer Lebensfreude und -qualität berauben, sondern auch mit einseitigen Diäten, Hungern, dem Protokollieren diverser Daten, täglichem Wiegen, Selbstvorwürfen, Rückzug aus dem sozialen Leben, u.v.m.
Wir Menschen haben nur einen begrenzten Zeitraum auf Erden zur Verfügung. Der Sinn des Lebens besteht darin, das Beste daraus zu machen. Und zwar täglich, rund um die Uhr, immer!
Ein Teil dieses Besten ist unser körperliches Wohlergehen! Solange man atmet hat man das Recht und die Pflicht sich eben dieses selbst zu gestatten.
Meine Vergangenheit
Ich war ein gemästetes Kind. Mit 14 Jahren wog ich bereits über 70kg, mit 16 dann über 80kg. Meine Mutter kochte und kocht hervorragend, jedoch leider nur sehr deftig mit viel Fleisch, Soße und Knödeln. Gemüse und Obst werden nur in Ausnahmefällen auf den Tisch gebracht. Schokolade und Knabberkram gehören jeden Abend zum TV-Programm dazu. Sport wird in meinem Elternhaus als unnötig betrachtet. Kein Wunder, daß ich so immer dicker und dicker wurde.
Der Klick-Moment
Lange war ich überzeugt, daß sich das schon wieder verwachsen würde. Wenn ich erst erwachsen bin, dann bin ich auf einmal schlank. Zumindest wurde mir das von meinen Eltern so gesagt.
Eines Tages hing ich mit meiner Clique ab. Wir guckten Videos und knabberten allerlei. Ich wollte grade nach der nächsten Chipstüte greifen, da sah mich B. an und meinte "Meinst du wirklich, daß Du die noch essen solltest? Du bist doch schon dick genug."
Ich war erschüttert! Wie konnte B. es wagen so mit mir zu reden?
Ein paar Tage später - es war heiß, mitten im Sommer - trug ich einen Rock und mußte ausgerechnet an dem Tag ein paar Schritte mehr machen als üblich. Die Oberschenkel schubberten aneinander, die Haut wurde wund und am Abend tat es dann unsagbar weh. Mit Penaten-Creme versuchte ich den Schaden zu beheben. Und wie ich mit der Cremedose in der Hand so dasaß, hörte ich B.'s Worte wieder in meinem Kopf. Da war er, der Moment des Klick's.
Erster Versuch
Zunächst versuchte ich es mit einer Crash-Diät. Damals - im Jahr 1991 - war Ananasdiät der letzte Schrei. Ich investierte mein Taschengeld in diese exotischen Südfrüchte und kassierte dafür massiven Ärger mit meiner Mutter. Sie war absolut gegen diese Diät und versenkte die Ananas im Müll. Mann, da war ich vielleicht sauer! Doch letztlich hat mich das vor dem Jojo-Effekt bewahrt.
Danke, Mama!
Anlauf nehmen
Ich wollte abnehmen! Ich wollte schlank bleiben! Ich war fest entschlossen!
Und weil mein Umfeld nunmal war, wie es war, mußte ich es unter den gegebenen Umständen schaffen. Aber wie?!?
Jugend forscht
Es gab so viel, was ich über Ernährung nicht wußte. Da gab's nur eines: lernen!
Mein erster Weg führte mich in die Gemeindebücherei. Dort las ich alles, was mit Ernährung zusammenhing.
Dann habe ich noch alle Menschen, die so schlank waren, wie ich sein wollte, beobachtet. Was essen die? Wie schaut ihr Tagesablauf aus? Wovon lassen sie die Finger?
Fazit: Gemüse, Vollkorn, Obst in Massen. Fleisch, Soße, Fett in Maßen. Süßigkeiten, Knabberzeug, Limonaden weglassen. Täglich Sport.
Praktische Umsetzung
Nach einem langen Gespräch mit meiner Mutter einigten wir uns darauf, daß sie ab sofort mehr Gemüse kochen würde und immer Obst im Haus sein muß.
Sie kochte weiterhin normal (mein Vater hätte vegetarische Kost niemals akzeptiert), aber eben mit Gemüse als Beilage.
Mein Speiseplan sah bspw. so aus:
Frühstück: 1 Vollkornbrot mit Butter und Marmelade, Orangensaft, Karokaffee
Pausenbrot: 2 Bananen, Joghurt
Mittagessen: große Portion Kartoffeln mit Brokkoli mit ein bißchen gebratener Hühnerbrust ohne Soße
Abendessen: 1 Vollkornbrot mit Butter und einer Scheibe mageren Schinken, diverses Obst und Rohkost (statt Knabberzeug vor dem TV)
über den Tag verteilt mindestens 2,5 Liter Wasser
Letztlich habe ich mich voll auf Gemüse, Vollkornprodukte und Obst konzentriert, Fleisch & Co. wurden zur Beilage, Süßigkeiten waren anfangs völlig gestrichen. Erst nach einem halben Jahr habe ich 1x pro Woche ein bißchen Schokolade genossen. Limonaden aller Art meide ich bis heute kategorisch.
Ich würde meine Methode als fettreduziertes FDH mit max. Pflanzenanteil bezeichnen
Aber was sollte ich in Sachen Bewegung unternehmen? Fitness-Studio war mit meinem Taschengeld nicht finanzierbar und Sportgeräte waren bei uns zu Hause nicht vorhanden.
Nun, anstatt mich von Mami und Papi durch die Gegend fahren zu lassen habe ich mich fortan bei Wind und Wetter zu Fuß bzw. mit dem Rad auf den Weg gemacht. Wenn ich zum Beispiel mit der S-Bahn fahren mußte, dann bin ich mit dem Rad nicht zur Station bei uns am Ort gefahren, sondern in den nächsten. Aus einer Frauenzeitschrift habe ich mir einen Gymnastikplan rausgerissen und an die Wand gepinnt. Jeden Tag habe ich 3-4 Übungen davon gemacht.
Als ich dann 1 Jahr später 10kg leichter war, habe ich mich zum ersten Mal ins Hallenbad gewagt. Von da an ging ich 3x pro Woche zum Schwimmen. Dabei habe ich nie auf die Bahnen geachtet, sondern immer nur auf die Zeit, die ich am Stück zügig schwimmen konnte, mindestens 20 Minuten.
Kranker Glücksfall
Um der Wahrheit die Ehre zu geben, ereilte mich nach meinem Diätstart eine massive Halsentzündung. Hatte einen Abzess hinter der Mandel und mußte letztlich sogar operiert werden. Das ganze dauerte drei Monate und hatte zur Folge, daß ich in dieser Zeit nur breiiges und flüssiges schlucken konnte. So kam es, daß ich in 3 Monaten knapp 10kg abgenommen habe.
Da ich aber meine veränderte Ernährung von vorher nach der Genesung weitergeführt habe, habe ich erstmal wieder 4kg zugenommen, aber dann fingen die Kilos wieder an zu schwinden.
Geschafft!
Nach 2 Jahren hatte ich 23 Kilo abgenommen. Statt 83kg wog ich nur noch 60kg. Und so ist es bis heute.
Klar, es kommt schon mal vor, daß ich mich ein wenig gehenlasse:
zu viel Bier, Schokolade, Pizza + zu wenig Bewegung = 3 Kilo mehr auf den Rippen. Aber das sind im Endeffekt Peanuts, die man schnell wieder loswerden kann, wenn man auf sich achtet.
Meine goldenen Regeln
1. Sich genau aufschreiben, warum man abnehmen will.
2. Sich Vorbilder suchen, die sich gesund ernähren, eine gute Figur und Spaß am Leben haben, und es ihnen gleichtun. VORSICHT! Sich nicht vergleichen, denn das macht unglücklich. Vielmehr sollte man denken "Gut zu wissen, daß es möglich ist! Juhuu!"
3. Viel Wasser trinken.
4. Gemüse, Vollkornprodukte und Obst als Hauptmahlzeiten betrachten. Fleisch, Soße und Fett zur Beilage "degradieren".
5. Sich jeden Tag darüber freuen, daß man sich jetzt endlich gestattet sich selbst Gutes zu tun! Das ist ein sehr wichtiger Punkt! Es darf beim Abnehmen nicht nur um eine bestimmte Anzahl von Kilos oder Kleidergrößen gehen, sondern um Liebe und Respekt für den eigenen Körper.
6. Finger weg von Fertiggerichten! Nur frische Lebensmittel sind gute Lebensmittel. Alles andere sind einfach nur Nahrungsmittel, die den Magen vom Knurren abhalten.
7. Bewegung!!!! Ob das nun anfangs ein täglicher, strammer Spaziergang ist oder das Fitness-Studio ist a) egal und b) Geschmackssache. Hauptsache man bekommt den Hintern von der Couch und macht es sich zur neuen, steigerungsfähigen Gewohnheit.
Alles ist gut
Zwei Jahre hat es gedauert, bis ich auf dem Gewicht war, das ich bis heute habe. Ich habe das Gewicht gehalten, weil ich meine Ernährung umgestellt habe und die Umstellung alltagstauglich war und meinem persönlichen Geschmack entsprach.
Ich esse tatsächlich alles - vom Schnitzel bis zur Sahnetorte - ohne übermäßig zuzunehmen. Der Unterschied zu damals ist a) die Häufigkeit und b) die Portionsgröße.
<Das habe ich in letzter Zeit leider zu wenig beherzigt und daher "sagenhafte" drei Kilo zugenommen, die aber schon im Verschwinden begriffen sind>
Es macht Spaß einen schlanken, vitalen Körper zu haben und ich bin froh und dankbar, daß ich so einen Körper habe. Er sah nicht immer so aus, aber das ist inzwischen egal.
Für manch geneigten Leser mag das "Eigentlich war es ganz einfach" im Titel provokant sein, aber so habe ich es nunmal erlebt. Der Gedanke, daß ich mir ein gutes Lebensgefühl gestatte hat mich über alle Hürden hinweggetragen.
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!
In diesem Sinne wünsche ich allen Abnehmern viel Erfolg und ein wundervolles Leben!