Servus Leidensgenoss(inn)en!
Ich bin 37 und habe schon seit ich denken kann ein Problem mit dem Gewicht. Bereits als Kind habe ich diverse Diäten und Abnehmeversuche durchlaufen, ich war sogar in einer Kur in der ich mein Normalgewicht erreicht habe. Der Erfolg war jedoch immer nur temporär und der berüchtigte "JoJo-Effekt" hat mich jedes mal wieder ein Stück weiter nach oben katapultiert. Sport war (früher) nie mein Ding und so habe ich mich über die Jahre langsam aber stetig "hoch gearbeitet". Mein Job als ITler war dem natürlich zusätzlich förderlich und alle meine Ex-Beziehungen waren immer Couch Potatoes, was sich ebenfalls weiter negativ ausgewirkt hat. Nachdem es gesundheitlich keine Probleme gab, war ich viel zu bequem irgendetwas zu ändern.
Der Wendepunkt war 2008 - als eine langjährige Beziehung (nicht deswegen) zerbrach. Im Zuge des Trennungsschmerzes habe ich erstmals angefangen ernsthaft über mich und mein Leben zu sinnieren. Dabei sind mir ziemlich viele Dinge klar geworden. Das alles im einzelnen aufzuführen würde das Forum sprengen. Wen's interessiert, dem verrat ich's gerne. Hier nur die wichtigsten:
- Diäten funktionieren NIE. Man muß sein Leben umstellen! Wer eine Diät macht und sich darauf freut, was er danach wieder essen darf, hat schon von Anfang an verloren.
- Das Essverhalten hat sehr viel mit dem eigenen Selbstwertgefühl zu tun. Sei es Dir selbst Wert einen gesunden, attraktiven Körper zu haben! Wenn Du diesen Schalter im Kopf umgelegt hast, bist Du schon sehr weit. Aus eigener Erfahrung kann ich Dir sagen, dass das dann auch auf Dein Umfeld ausstahlt. Das ist ein sehr positiver Nebeneffekt, der zusätzlich motiviert.
Mit diesen Erkenntnissen habe ich bis Ende 2008 20kg abgenommen. Was ich dafür getan habe? Ausschließlich ein wenig auf die Ernährung geachtet. Keine Kalorien, oder Punkte zählen, sondern ganz einfache Leitsätze mehr oder weniger befolgt: Möglichst wenig Fett, möglichst wenig Kohlenhydrate, möglichst wenig Kalorien in Getränken, möglichst nach 16 Uhr keine Kohlenhydrate. Dabei war ich nie streng mit mir selbst. Bei Festen und Feiern hab ich eben mal eine Ausnahme gemacht, aber danach wieder ohne Ausreden weiter. Ich verbiete mir auch nichts. Wenn ich Lust auf Schoklade habe, dann esse ich auch ein Stück, aber halt keine Tafel mehr, wie früher. Und z.B. auf dem Oktoberfest dürfen es schon ein paar Maß sein. Zu guter letzt habe ich angefangen zu essen - nicht mehr zu schlingen. Der Vorteil dabei ist, dass man dann auch mitbekommt, wenn der Körper signalisiert, dass es reicht. Alles in allem hatte und habe ich nie das Gefühl, dass mir etwas fehlt, oder meine Lebensqualität eingeschränkt wäre. Sonst wäre es ja wieder wie eine Diät und was ich davon halte steht ja schon weiter oben.
Irgendwann Anfang 2009 war dann Schluß mit Gewichtsreduktion und es ging über Wochen einfach nichts mehr runter (aber auch nichts mehr rauf). Nachdem ich erstmal ziemlich gefrustet war, hab ich mich aufgerappelt, bin in ein Sportgeschäft und hab mich mit Fitness-Klamotten eingedeckt. Nach dem Verlassen des Ladens bin ich SOFORT ins Fitness-Center, hab mich angemeldet und gleich ein Probetraining gemacht. Am nächsten Tag hab ich (trotz Muskelkater) gleich die Einstellung mit allen Schikanen gemacht und war von da an im ersten Monat täglich 2-3 Stunden dort. Und siehe da - der Erfolg auf der Waage stellte sich wieder ein. Im Sommer habe ich dann ein wenig kürzer getreten und war nur noch 2-3x die Woche beim Trainieren, aber auch das hat gereicht, dass Ende 2009 weitere 20kg weniger auf der Skala waren. Jetzt hör ich schon die Einwände: Ich habe keine Zeit für Fitness-Studio. Oder: Fitness-Studio ist zu teuer. Da sind wir wieder bei meinen obigen Erkenntnissen: Bist Du es Dir selbst nicht wert, Dir 2-3x die Woche 2 Stunden für Dich zu gönnen?
Natürlich hatte ich während der Zeit auch Tiefpunkte. Aber witziger Weise hat mich dann Frusttrainieren statt "Frustfressen" wieder aus dem Loch geholt. Und Motivationsschübe gab's dafür en Masse: Du kannst Dich wieder bewegen, ohne dass Du gleich ins Schwitzen kommst; das erste Mal, wenn jemand zu Dir sagt: Mann, hast Du abgenommen (das passiert mir mittlerweile täglich 2-3x, sogar bei Leuten mit denen ich nicht wirklich viel zu tun habe); Du passt wieder in Klamotten, die Dir 16 Jahre nicht mehr gepasst haben; Du kaufst wieder in der normalen Konfektion und nicht mehr bei den Übergrößen; Du hast wieder Spaß am Sport und kannst auch mit Deinen Freunden mithalten; Menschen des anderen Geschlechts finden Dich attraktiv...
So konnte ich letzten Samstag 50stes Jubiläum feiern. Das ist natürlich nochmal eine Hardcore-Motivation. Bis zu meiner Halbierung fehlen mir jetzt noch knapp 30kg, aber die werde ich sicher auch noch schaffen. Ich mache mir keinen Streß und das dankt mir mein Körper. Ich hatte noch keine Probleme irgendwelcher Art. Das Bindegewebe macht bisher auch noch einigermaßen mit. Es gibt zwar mittlerweile ein paar Stellen, die straffer sein könnten, aber ich bin noch guter Hoffnung, dass das mit dem Muskelaufbautraining weiter in den Griff zu bekommen ist.
Abschließend kann ich nur jeden beglückwünschen, der den Start in ein neues Leben gemacht hat und biete allen, die gerade einen Tiefpunkt haben Rat und Motivation, z.B. per PM, an.
"Vorwärts immer - Rückwärts nimmer!" heißt die Devise.
LG
Harry