Ich bin in letzter Zeit ziemlich auf dem Sachbuch-Trip (man will ja ein bissl was für die Bildung tun *g*) und habe u.a. von Christiane Zschirnt "Wir Schönheits-Junkies" entdeckt. Die Autorin setzt sich kritisch mit herrschenden Schönheitsidealen auseinander, geht dabei in erster Linie auf Ideale ein, die Frauen aufgedrängt werden und hinterfragt, woher diese Ideale kommen und ob z.B. ein Verbot von Models mit zu niedrigem BMI an diesen Idealen ernsthaft was ändern könnte.
Was mir sehr gut gefallen hat: Sie zeigt diverse Wahnsinnigkeiten rund um den Schönheitswahn auf, ohne gleich die moralische Keule zu schwingen oder belehrend zu wirken; im Gegenteil, sie schreibt sehr unterhaltsam, immer mit einem Augenzwinkern, teilweise etwas zynisch und sarkastisch, aber nie von oben herab. Jedes Kapitel ist einem bestimmten Aspekt des Schönheitswahns gewidmet, z.B. Dünn-Sein, Perfektion, Emanzipation, Altern etc. Grundtenor ihres Buches ist: Frauen trauen sich heutzutage so ziemlich alles zu, aber wenn die Frisur mal nicht sitzt, wollen sie nicht aus dem Haus gehen und die Forderung des Feminismus der 60er Jahre, wonach Schönheit quasi "von innen" kommen sollte, ließ sich nicht in die Tat umsetzen. Zschirnt geht auch auf den Feminismus als solchen ein und meint, dass gerade im Hinblick auf Schönheitsideale Generationsunterschiede zu beachen sind - die Feministinnen der 60er Jahre haben da ganz andere Vorstellungen als junge, emanzipierte Frauen heute, die kein Problem mit High Heels und Lippenstift haben.
Was mich etwas irritiert hat: Zschirnt zeigt zwar vieles auf, bietet aber im Endeffekt keine Lösung an, es scheint vielmehr immer wieder durch, dass man praktisch eh nix machen kann außer selbst gelassener mit dem Schönheitswahn umzugehen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan; ich hatte das Buch ursprünglich in die Hand genommen in der Erwartung, dass ich danach vielleicht ein kleines Stück gelassener sein könnte, aber weit gefehlt - dadurch, dass die Autorin Schönheits-OPs, Anti-Falten-Cremes, Diäten etc. als normal diagnostiziert (und als etwas, das schon so tief in unserer Gesellschaft verankert ist, dass wir es eh nicht mehr los werden), hatte ich stellenweise den Eindruck: Es ist eh ok, wenn ich mir Fett absaugen lasse. Es ist eh ok, High Heels zu tragen. Das hat mich ziemlich irritiert, weil sie eben immer wieder durchblicken ließ, dass man diesen Idealen eh nicht wirklich entkommen und sie praktisch für sich selbst nutzbar machen kann. Das hat die sehr kritischen Töne des Buches für mich teilweise schon etwas relativiert, und eine konkrete Lösung bietet sie wie gesagt nicht an. Aber das Buch enthält eine Menge interessanter Denkanstöße, lässt einen bisweilen schmunzeln, dann wieder ungläubig den Kopf schütteln. Sehr zu empfehlen, wenn auch mit ein paar Abstrichen